Tiroler Sozialpartner: Beschäftigung ist zentrale Herausforderung

Nach den Impulsprogrammen zum leistbaren Wohnen sowie Arbeits- und Lebensraum trafen sich die Tiroler Sozialpartner in der Industriellenvereinigung, um die zentralen Herausforderungen am Arbeitsmarkt zu definieren und entscheidende Schritte dazu einzuleiten. Die Sozialpartner luden Vertreter der Landesregierung mit Landeshauptmann Günther Platter an der Spitze ein, um den umfassenden Forderungskatalog zum Thema „Beschäftigung“ zu übergeben und gemeinsam zu erörtern.

Die Tiroler Sozialpartner übergeben an den Landeshauptmann und an die Vertreter der Landesregierung einen umfassenden Forderungskatalog zum Thema „Beschäftigung in Tirol“.

Trotz jüngster erfreulicher Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt ist das Schaffen und langfristige Sichern von Arbeitsplätzen einer der zentralen Punkte, den sich die Tiroler Sozialpartner mittelfristig zum Ziel gesetzt haben.

In ihrem Papier „Beschäftigung in Tirol“ fordern sie Initiativen für die rasche Integration von Zugezogenen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eine verstärkte Berufsorientierung an den allgemein bildenden mittleren und höheren Schulen sowie die Attraktivierung der Lehrausbildung mit Fokus auf technische Berufe. Die ständige Weiterentwicklung und Vollständigkeit der Berufsbeschreibungen auf der Plattform – berufsreise.at – ist den Sozialpartnern ebenso ein Anliegen wie eine moderne technische Ausstattung der Berufsschulen.

Auf Basis der österreichischen Sozialpartner-Einigung wird ein leichterer Zugang zu Lehrstellen in allen Berufen für jugendliche AsylwerberInnen mit hoher Anerkennungswahrscheinlichkeit gefordert, für alle übrigen AsylwerberInnen bis 25 Jahre soll das Verfahren zur Erteilung einer Beschäftigungsbewilligung mit Ersatzkraftverfahren nach 6 Monaten ab Antragstellung gelten.

Die Unterstützung des „GesundheitsChecks“ soll dazu dienen, die Leistungsfähigkeit der Betriebe und ihrer Mitarbeiter zu fördern. Aber auch die Gestaltung altersgerechter Arbeitsplätze wollen die Sozialpartner genauso wie andere Punkte aus dem Forderungspapier umsetzen.

„Für die Tiroler Industrie zählt die richtige Qualifizierung des betrieblichen Nachwuchses zur entscheidenden Standortfrage. Eine Lehre ist weder eine Einbahnstraße noch eine Sackgasse. Industrieunternehmen suchen ständig technisch versierte Fachkräfte auf unterschiedlichen Ausbildungsniveaus. Von der dualen Berufsausbildung über die Fachschule, HTL, Fachhochschule und Universität können viele Wege eingeschlagen werden, die zum beruflichen Erfolg führen. Denken wir nur an die sogenannten MINT-Fächer, an die Mechatronik, an Chemie, IT oder die Digitalisierung. In diesen Bereichen müssen wir junge Menschen für eine entsprechende Ausbildung begeistern, um die Herausforderungen am Arbeitsmarkt zu bewältigen“, so der IV-Tirol Präsident Dr. Christoph Swarovski.

Der Ausbau der Kinderbetreuung ist für WK Präsident Dr. Jürgen Bodenseer einer der Schlüssel für die Beschäftigung in Tirol. „Das ist das um und auf“, sagt der WK Präsident, „wir haben sehr viele bestens ausgebildete Mütter und Väter, die ihre Ausbildung und ihr Potenzial nutzen wollen. Dafür brauchen wir eine hochqualitative ganztägige und ganzjährige Kinderbetreuung.“ Ebenso wichtig ist für Bodenseer die positive Aufladung des Themas „Wirtschaft“. „Sicher sind wir global unterwegs und können uns von der Globalisierung nicht abschotten. In Tirol sind wir aber ganz bodenständig, ehrlich, regional und verantwortungsvoll aufgestellt. Unsere Wirtschaft sichert unseren Wohlstand, sichert unsere Arbeitsplätze und ist nicht etwas Anonymes, Böses.“ Eine positive Wirtschaftsgesinnung ist für den WK Präsidenten deshalb eine Grundvoraussetzung für die Zukunft der Beschäftigung in Tirol.

Otto Leist, Vorsitzender des ÖGB Tirol: „Eine funktionierende Beschäftigungsstruktur ist der Grundpfeiler jedes guten Wirtschaftssystems. Mit unseren Forderungen nach einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die durch eine flächendeckende und ganztägige Kinderbetreuung ermöglicht werden soll, einer Attraktivierung der Lehrausbildung und dem Fokus auf Gesundheitsförderung in den Unternehmen sind uns sicher maßgebliche Verbesserungsvorschläge für alle TirolerInnen gelungen. Dass auch die Gestaltung von alternsgerechten Arbeitsplätzen und ein Generationenmanagement im Entwurf der Sozialpartner enthalten sind, war mir persönlich ein großes Anliegen.“

AK Präsident Erwin Zangerl: „Die Arbeit muss wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Dazu gehört unserer Meinung eine gezielte Förderung zur Schaffung ganzjähriger, gutbezahlter Vollzeitarbeitsplätze. Ebenso müssen auch die Öffnungszeiten und die Ferienzeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen auf ganztägige Arbeitsformen umgestellt werden. In Tirol schließen derzeit sechs von zehn Kindergärten vor 15 Uhr. Die Betreuungsprobleme für Eltern sind bereits jetzt evident. Kinderbetreuung darf nicht an den finanziellen Engpässen in den Gemeinden scheitern, hier ist eine umfassende Bundesfinanzierung nötig. Durch die immer schnelleren Veränderungen in der Arbeitswelt wird die Berufsorientierung nicht nur ein wesentlicher Inhalt der Schule, sondern auch in der Erwachsenenbildung. Hier sollten unabhängig vom AMS kostenlose Angebote ermöglicht werden.“

LK Präsident Ing. Josef Hechenberger: „Das Forderungspaket der Tiroler Sozialpartner beinhaltet ein Bündel an richtungsweisenden Ansätzen zum Thema Beschäftigung. Da am Arbeitsmarkt zunehmend zeitliche Flexibilität von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gefragt ist, hat für mich eine flächendeckende und ganztätige Kinderbetreuung absolute Priorität. Dies bedeutet für alle Verantwortlichen eine große Herausforderung, die es für den Erhalt eines lebendigen ländlichen Raumes zu meistern gilt.“

„Der Arbeitsmarkt und eine nachhaltige Beschäftigung erfordern unsere ganze Anstrengung“, wünscht sich Landeshauptmann Günther Platter, dass die Tiroler Sozialpartner gemeinsam an einem Strang ziehen und handlungsfähig bleiben. „Die Tiroler Landesregierung hat gerade im Bereich der Kundenbetreuung zahlreiche zukunftsweisende Initiativen gesetzt, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur ein Schlagwort bleibt. Freilich ist noch einiges zu tun. Ich begrüße es sehr, wenn die Sozialpartner sich dieser Themen annehmen und Vorschläge machen. Insbesondere auch bei den Zugezogenen gilt der Fokus einer gezielten beruflichen Ausbildung wie der Lehre. Je schneller diese Menschen zu einem Erwerb fähig sind, umso besser wird die Integration funktionieren. Die Maßnahmen müssen von professionellen Deutsch-Intensivkursen für Asylwerberinnen bis hin zur durchgängigen, systematischen Erfassung der im Ausland erworbenen Qualifikationen reichen.“

IV-IconInformationen zum Beitrag


Kontakt

Dr. Wolfgang Paulmichl

Referent Öffentlichkeitsarbeit, Industriellenvereinigung Tirol

T  +43 512 58 41 34 14
E   wolfgang.paulmichl@iv.at

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