Stärkung des Euro-Raumes durch wettbewerbsfähige Wirtschaftsstrukturen und solide Staatsfinanzen

„Europa und der Euro“ – Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bank, analysierte beim Tiroler Industrie Gespräch von MCI und IV-Tirol in Innsbruck die Krise der Währungsunion, führte zentrale Gründe an und zog Lehren daraus.

MCI und IV-Tirol luden zum Tiroler Industrie Gespräch mit Carl-Ludwig Thiele

Der Finanzexperte sprach sich für eine Stärkung des Euro-Raumes aus, für Haftung und Kontrolle, er erläuterte die Aufgabe der Bankenunion, die Rolle der Zentralbank, Geldpolitik sowie das Prinzip Eigenverantwortung: Leider hätten viele Krisenmaßnahmen das Haftungsprinzip ausgehöhlt. Nur wenn dieses Fundament wieder hergestellt werde, könne die europäische Währungsunion nachhaltig eine Stabilitätsunion werden. Entscheidend seien wettbewerbsfähige Wirtschaftsstrukturen und solide Staatsfinanzen. Gefordert sei vor allem die Politik der EU sowie der einzelnen Mitgliedsstaaten, weil in einer Währungsunion die Kombination von zentraler Geldpolitik und dezentraler Finanzpolitik gut auszugleichen sei, so Thiele.

Der Euro-Raum habe Brexit zunächst gut verkraftet, gravierende wirtschaftliche Folgen seien bislang ausgeblieben. Finanzmärkte und Realwirtschaft hätten den ersten Schock besser als erwartet weggesteckt. Innerhalb des Vereinigten Königreichs habe dazu wohl die Abwertung des Britischen Pfundes beigetragen, so Thiele. Vor dem Brexit-Referendum  war ein Euro 0,75 britische Pfund wert. Gegenwärtig erhält man 0,9 britische Pfund für einen Euro. Der Pfund hat 15 Prozent seines Wertes verloren.  

Thiele: „Mich würde es wundern, wenn es nicht auch in Österreich noch Möglichkeiten gäbe, durch Strukturreformen zusätzliche Wachstumskräfte freizusetzen. Beim Ruf nach Investitionen darf nicht vergessen werden: Das Rückgrat des gesamtwirtschaftlichen Kapitalstocks bilden nicht die öffentlichen Investitionen, sondern die privaten.“

In seiner Begrüßungsansprache stellte Dr. Christoph Swarovski, Präsident der Industriellenvereinigung Tirol, dem Industriestandort Tirol ein gutes Zeugnis aus: Mit einem Anteil von knapp 22 Prozent der Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche liege die Industrie im europäischen Spitzenfeld. Weitere Schwerpunkte seiner Ausführung waren die Reduktion von Reglementierungen auf EU-Ebene, Digitalisierung, Industrie 4.0, neue Arbeitsplätze sowie die zunehmende Bedeutung einer umfassenden Sicherheitspolitik.

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