Industrie 4.0 – Chancen für Wachstum und Arbeit nützen

„Der Automatisierungsgrad und die Digitalisierung sämtlicher Produktionsprozesse sind in der Tiroler Industrie weit fortgeschritten. Industrie 4.0 ist längst zum Schlagwort für eine Entwicklung geworden, die in den Unternehmen bereits im Gange ist“, stellte der Tiroler Industriepräsident Dr. Reinhard SCHRETTER im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag in Innsbruck fest. Dabei wurden Positionen präsentiert, welche Industrie-Vertreter der F&E-Gruppe der IV-Tirol erarbeitet haben: Industrie 4.0, Informatisierung oder auch die digitale Transformation der Wirtschaft sind ökonomische Triebfedern mit enormen Wachstumschancen und neuen Herausforderungen.

Industrie 4.0: IV-Tirol GF Mag. Josef Lettenbichler, IV-Tirol Präsident Dr. Reinhard Schretter, F&E Sprecher Dr. Werner Ritter, Siemens AG

„Industrie 4.0 ist kein Job-Killer. Die Entwicklung kann vielmehr zum Job-Motor werden, wenn auch die Rahmenbedingungen – von flexiblen Arbeitszeiten bis hin zu den spezifischen Ausbildungsmöglichkeiten – an die Anforderungen des digitalen Zeitalters angepasst werden. Es wird keine Revolution stattfinden. Industrie 4.0 hat in unseren Unternehmen in vielen kleinen Schritten längst Einzug gehalten. Treiber dieser Neuerungen sind die Kunden, was auch die gesamte industrielle Fertigungskette immer mehr in den Digitalisierungsprozess mit einbezieht. In den einzelnen Unternehmen geht es nunmehr darum, sämtliche Daten – von der Bestellung über die Produktion bis hin zum Abnehmer – rückverfolgen und Schnittstellen definieren zu können“, so Präsident Schretter. 

Industrie 4.0 passiere mit und ohne uns. Umso mehr müsse man sich in den Prozess aktiv einbringen, die Entwicklung mitgestalten. Dies sei nicht ohne Menschen möglich, sondern nur mit gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Unternehmen. Dem Bildungswesen komme dabei eine wichtige Schlüsselrolle zu, um den Digitalisierungsprozess in den Betrieben zu begleiten. „Es kann nicht sein, dass wir Jugendliche heranbilden, die mit dem Internet aufwachsen, aber wenn sie in den Beruf einsteigen, die Grundwerkzeuge der EDV nicht beherrschen“, verwies Präsident Schretter einmal mehr auf den internationalen Wettlauf in der Produktion. 

IV-Tirol Positionspapier 

Mit Experten aus der Tiroler Industrie wurde im Rahmen der F&E-Plattform ein Positionspapier erarbeitet, aus dem der Sprecher dieser Gruppe, Dr. Werner Ritter, Siemens AG, einige Anliegen vortrug:

So gelte es beispielsweise, eine leistungsfähige Infrastruktur für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zu schaffen, sozusagen als Grundvoraussetzung für die Einführung von Industrie 4.0-relevanten Technologien. Eine IKT-Hochschulinfrastruktur sowie ein Breitband-Masterplan – im Rahmen der bereits gestarteten Breitband-Offensive – könnten den Standort Tirol entsprechend weiterbringen und modernisieren. 

Das für die Industrie so wichtige HTL-Angebot solle in Tirol gezielt um IKT-spezifische Ausbildungsschwerpunkte ergänzt werden, weil die zunehmende Digitalisierung neue Qualifikationsanforderungen und berufliche Profile verlange. 

Industrie 4.0 führe ebenso zu neuen Herausforderungen und Möglichkeiten bei der Ausgestaltung von Arbeitsformen und -modellen. Im Hinblick auf Arbeit und Beschäftigung sei auch der Frauenanteil in naturwissenschaftlich-technischen Berufen sowie die Attraktivität des Arbeitsstandortes für ansässige und internationale Fach- und Spitzenkräfte zu erhöhen. 

Was die Forschung anbelangt, so seien Unternehmen insbesondere bei neuen Fertigungsmethoden zu unterstützen, welche durch Industrie 4.0 eröffnet werden, wie beispielsweise 3-D-Druck oder Rapid Prototyping. 

Der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Tirol, Mag. Josef Lettenbichler, sprach sich beim Pressegespräch für die Vernetzung sämtlicher Industrie-4.0-Aktivitäten mit anderen Bundesländern und benachbarten Regionen aus, um daraus entsprechende Synergien zu nützen. Gefordert sei auch der öffentliche Sektor auf Bundes- und Landesebene, um die Weiterentwicklung der betrieblichen Rahmenbedingungen in Richtung Industrie 4.0 zu forcieren. 

Die IV-Tirol jedenfalls werde den Dialog mit den Unternehmen weiterführen. Sämtliche Anliegen betreffend Infrastruktur, Qualifizierung, Ausbildung, Forschung und Innovation seien mit den entsprechenden Einrichtungen weiterzubetreiben und umzusetzen, so Mag. Lettenbichler. Aus diesem Grund lädt die IV-Tirol in Kürze zu einer Kick-off-Veranstaltung alle relevanten Stakeholder ein, um in weiterer Folge eine „Task-Force Industrie 4.0“ nachhaltig ins Leben zu rufen.

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