Energiemarkt in fundamentalem Umbruch

Professor Rolf Wüstenhagen von der Universität St. Gallen sieht Wasserkraftwerke mit Vorteilen im laufenden Verdrängungswettbewerb – auch neues Energiesystem benötige zentrale und dezentrale Stromspeicher, die miteinander vernetzt sind.
v.l.:IV-Präsident Dr. Reinhard Schretter, Prof. Dr. Rolf Wüstenhagen und MCI-Rektor Dr. Andreas Altmann

Derzeit herrschen an Europas Strombörsen Überkapazitäten. „Der Preisverfall, der zusätzlich durch die politische Förderung der erneuerbaren Energie verursacht wird, führt mittelfristig zu einem Verdrängungswettbewerb“, sagt Prof. Rolf Wüstenhagen, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen. „Die Chancen, daraus als Sieger hervorzugehen, stehen für Wasserkraftwerke systematisch besser als für Kohle- oder Gaskraftwerke.“ Wüstenhagen kam auf Einladung der Industriellenvereinigung Tirol und des MCI nach Innsbruck. IV-Tirol Präsident Reinhard Schretter merkte in seinen Ausführungen an: „Wer Nachhaltigkeit will, muss Entscheidungen zulassen. Die ökologischen und wirtschaftlichen Vorzüge der Wasserkraft sind längst bekannt. Für den Umbau des Energiesystems und den Erhalt der Systemstabilität sind Pumpspeicherkraftwerke prädestiniert. Im Zuge der Energiewende geht es auch um weitere Erhöhung der Energieeffizienz, um die Forcierung heimischer Technologien, den Ausbau der Leitungsinfrastruktur und nicht zuletzt um eine europäische Gesamtstrategie.“

Die Politik müsse das Thema Klimawandel ernst nehmen, erklärte Wüstenhagen. Als weitere Erfolgsfaktoren der Wasserkraft nannte Wüstenhagen die Reduktion von Brennstoffpreis- und Importrisiken sowie die Möglichkeiten zur flexibleren Produktion.

Der Energiemarkt befinde sich in einem fundamentalen Umbruch, das Verhältnis von erneuerbarer zu nicht erneuerbarer Energie werde in den kommenden Jahren von 20:80 auf 80:20 drehen. Wüstenhagen: „Solar- und Windenergie haben große Fortschritte zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit gemacht. Ein weiteres dynamisches Wachstum ist nicht mehr ausschließlich politisch getrieben.“

Ein Stromsystem mit einem hohen Anteil an Wind- und Sonnenenergie unterscheide sich zwar maßgeblich von der klassischen Energieversorgung mit Grundlast- und Spitzenlastkraftwerken. „Beiden ist jedoch der Bedarf an Stromspeicherung gemeinsam.“ Speicher könnten entweder zentral oder dezentral im Netz platziert sein – wichtig sei aber eine Vernetzung der Systeme.

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