Am Donnerstagabend diskutierten im Haus der Begegnung in Innsbruck Politikwissenschaftlerin Barbara Prainsack und IV-Tirol-Geschäftsführer Michael Mairhofer über die Zukunft der Arbeit. Unter dem Titel „Was bedeutet gute Arbeit?“ standen Themen wie Arbeitszeit, Chancengleichheit, Technologie und das Bedingungslose Grundeinkommen im Fokus. Die Veranstaltung war Teil der Vortragsreihe des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft der Universität Innsbruck.
Arbeit ist mehr als Erwerb
Für Michael Mairhofer war klar: Gute Arbeit bedeutet mehr als bloßes Einkommen. Sie stiftet Sinn, ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und stärkt den sozialen Zusammenhalt. „Arbeit ist kein Gegensatz zum guten Leben – sie ist ein Teil davon. Die meisten Menschen arbeiten gern, und das sollten wir auch in der politischen Debatte wieder stärker anerkennen“, so Mairhofer. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung wirtschaftlicher Grundlagen für soziale Sicherheit. Österreich könne nur deshalb breit über Modelle wie das Grundeinkommen diskutieren, weil die soziale Marktwirtschaft in den letzten Jahrzehnten Wohlstand geschaffen habe. „Kapitalismus und Sozialstaat sind kein Widerspruch – sie ergänzen einander. Wer soziale Sicherheit will, muss wirtschaftlichen Erfolg ermöglichen.“
Technologischer Wandel: Chancen nutzen, statt Angst schüren
Einen weiteren Schwerpunkt setzte Mairhofer beim Thema Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Ausgangspunkt der Diskussion war die Frage, ob technologische Innovationen – insbesondere KI und Automatisierung – langfristig zu massenhaftem Jobverlust führen könnten. In diesem Zusammenhang brachte Barbara Prainsack das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) als potenzielles Zukunftsmodell ins Spiel: Als Antwort auf die Sorge, dass traditionelle Erwerbsarbeit für viele Menschen wegfällt, könne ein staatlich garantiertes Grundeinkommen soziale Sicherheit gewährleisten – unabhängig vom Arbeitsmarkt. Mairhofer warnte hingegen vor einer technikpessimistischen Sichtweise. „KI ersetzt keine Menschen, sondern Tätigkeiten. Wer das nüchtern betrachtet, erkennt enorme Potenziale – für bessere Arbeitsprozesse, neue Jobs und höhere Wertschöpfung.“ Der technologische Wandel sei kein Grund, Arbeit abzuwerten, sondern ein Anstoß, sie weiterzuentwickeln: „Wenn wir wollen, dass Arbeit auch morgen gute Arbeit bleibt, müssen wir in Qualifikation investieren, Innovation ermöglichen – und die Menschen aktiv in den Fortschritt einbinden. Technik darf uns nicht ersetzen, sie soll uns beflügeln.“