Tiroler Industrie und Immobilienwirtschaft im Schulterschluss: Beim 6. Immobilien-Stammtisch in der Wirtschaftskammer Tirol diskutierten Entscheidungsträger über Wege aus der Stagnation. IV-Präsident Max Kloger lieferte den makroökonomischen Realitätscheck.
Tiroler Industrie und Immobilienwirtschaft im Schulterschluss: Beim 6. Immobilien-Stammtisch in der Wirtschaftskammer Tirol diskutierten Entscheidungsträger über Wege aus der Stagnation. IV-Präsident Max Kloger lieferte den makroökonomischen Realitätscheck.
Herausforderungen der Immobilienwirtschaft
Die Situation am Bau wirkt wie ein Brennglas für die Probleme des gesamten Standorts. Steigende Finanzierungskosten, komplexe Genehmigungsverfahren und hohe Materialpreise bremsen die Tätigkeit massiv. Andreas Köttl (Präsident VÖPE) und Ellen Moll (WKO) forderten in der Diskussion daher klare politische Rahmenbedingungen und eine „Fast Lane“ für nachhaltige Projekte, um Investitionen wieder anzukurbeln. Denn ohne einen funktionierenden Baumarkt fehlt dem Standort nicht nur eine wesentliche Säule für leistbares Leben, sondern auch ein wichtiger Konjunkturmotor.
Fragile Stabilisierung
Dass dieser Investitionsstau nicht auf die Baustelle beschränkt bleibt, sondern in der gesamten Volkswirtschaft sichtbar ist, verdeutlichte IV-Tirol-Präsident Max Kloger in seiner Analyse der ökonomischen Großwetterlage. Er bestätigte die Befunde der Immobilienbranche mit nüchternen makroökonomischen Zahlen: Österreich kommt laut WIFO und IHS aus der längsten Rezession der Zweiten Republik. Zwar wird für 2026 eine leichte statistische Erholung erwartet, doch das Tempo bleibt deutlich hinter früheren Aufschwungphasen zurück. Für die Industrie – und damit indirekt für die gesamte Wertschöpfungskette am Standort – bedeutet das: Der Tiefpunkt wurde erst Ende 2025 durchschritten. Kloger warnte davor, die leichte Entspannung als Entwarnung zu missverstehen: „Wir erleben keinen klassischen Aufschwung, sondern eine fragile Stabilisierung. Wenn andere Länder schneller wachsen als wir, verlieren wir relativ an Boden – bei Investitionen und Marktanteilen.“
Strukturelles Kostenproblem
Als zentralen Bremsfaktor identifizierte der IV-Präsident die auseinanderlaufende Kosten-Leistungs-Relation. Während die Lohnstückkosten in Österreich seit 2016 um 34,6 % gestiegen sind, konnte die Produktivität im selben Zeitraum nur um 5,1 % zulegen. In den Jahren 2023 und 2024 war die Produktivität sogar rückläufig. Diese Diskrepanz entzieht den Unternehmen die Margen, die dringend für Investitionen in Innovation und Modernisierung benötigt würden.
Standortfaktor Bürokratie
Ein Thema, das Bauwirtschaft und Industrie gleichermaßen trifft, ist die überbordende Regulierung. Kloger bezeichnete Bürokratie als „stille Steuer auf Wachstum“ und verwies auf aktuelle Daten: Österreichweit verursacht Bürokratie Kosten von bis zu 15 Milliarden Euro jährlich. Allein die Übererfüllung europäischer Vorgaben („Gold Plating“) kostet den Standort Tirol jährlich rund 52 Millionen Euro. Für Kloger ist klar: Digitalisierung allein reicht nicht. Es braucht einen Kulturwechsel in der Verwaltung – weg vom Verhindern, hin zum Ermöglichen. Denn in einem globalen Wettbewerb ist Zeit längst zu einem entscheidenden Standortfaktor geworden.
Entscheidungsjahr 2026: Strategie braucht Tempo
Abschließend appellierte Kloger an die Entscheidungsträger: Dass in Tirol noch investiert wird, geschieht oft trotz und nicht wegen der Rahmenbedingungen. Wie ernst die Lage ist, zeigt der jüngste Verlust von 2.500 Industriearbeitsplätzen. Die Mitte Jänner präsentierte Industriestrategie des Bundes liefert zwar die richtigen Zielbilder und greift zentrale Tiroler Forderungen auf, doch für Kloger steht fest: „Ein Strategiepapier allein füllt noch keine Auftragsbücher.“ 2026 muss vom Jahr der Ankündigungen zum Jahr der Umsetzung werden. Nur wenn Wettbewerbsfähigkeit, leistbare Energie und schnelle Verfahren jetzt mit Tempo angegangen werden, können Arbeitsplätze langfristig im Land gehalten werden.


