Premiere in Bozen: Am 21. Jänner 2026 veranstalteten der Unternehmerverband Südtirol (UVS) und die IV Tirol ihr erstes gemeinsames KI-Forum. In den Seminarräumen von Microgate erhielten Unternehmer tiefe Einblicke in die „AI-First“-Strategie von Würth und die Analyse der historischen Entwicklung von künstlicher Intelligenz durch KI-Pionier Federico Giudiceandrea.
Die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrieunternehmen entscheidet sich an der technologischen Front. Künstliche Intelligenz ist dabei kein Nischenthema, sondern einer der wichtigsten Hebel für Innovation und die Steigerung von Effizienz sowie Produktivität. Um diese Transformation nicht isoliert zu bewältigen, wurde der Dialog über KI-Praxislösungen im industriellen Umfeld nun auf eine neue Ebene gehoben. Eingebettet in die bewährte Kooperationsplattform „Dolomites Area Small Industry“ (DASI), bot das erste gemeinsam vom UVS und der IV Tirol organisierte KI-Forum den Rahmen für gemeinsamen Austausch zum Thema Künstliche Intelligenz in der betrieblichen Praxis. Das Ziel der Veranstaltung war klar definiert: Best Practices bei der Implementierung von KI-Projekten schneller zu identifizieren und damit Herausforderungen von industriellen KMU in der Euregio und den angrenzenden Dolomiten-Regionen gemeinsam effektiver zu meistern.
Tempo durch Vernetzung
Stefan Barbieri, Präsident des Kleinunternehmerverbands des UVS, eröffnete den Nachmittag mit einer klaren Ansage an die Wettbewerbsfähigkeit. Seine Botschaft: In der rasanten KI-Entwicklung ist der isolierte Alleingang ein Risiko. Es fehlt die Zeit, Fehler zu wiederholen, die andere längst gelöst haben. Der grenzüberschreitende Schulterschluss dient neben dem Erfahrungsaustausch vor allem auch einem ökonomischen Zweck: Operative Blindflecken eliminieren, KMU der Dolomites Area bei der digitalen Transformation zu unterstützen und funktionierende Anwendungen schneller auf den Boden bringen.
Tiroler Impulse für das gemeinsame Netzwerk
Markus Dax, Sprecher der KMU-Plattform der IV Tirol, zeichnete den Weg zu diesem gemeinsamen Nachmittag nach. Bereits im Juni 2024 startete die IV Tirol ihre KI-Forum-Reihe mit einem klaren Fokus: Eine Umgebung zu schaffen, in der sich KI-Verantwortliche der Mitgliedsunternehmen auf Augenhöhe begegnen. Fernab von Erwartungsdruck entstand so ein Raum, in dem Gleichgesinnte nicht nur über Erfolge sprechen, sondern auch Rückschläge bei der Implementierung offen analysieren. Dax unterstrich, dass es dabei nie um theoretische Konzepte ging, sondern um die harte Währung der Projektarbeit: Wie wurde geplant? Wie wurde gemessen? Wie gelang die Operationalisierung? Diese pragmatische DNA brachte die IV Tirol nun in die Kooperation mit den südlichen Nachbarregionen ein. Das Ziel für Bozen war daher deckungsgleich mit jenem in Innsbruck: durch die Vernetzung greifbare Lektionen mitzunehmen, die die Umsetzung von KI-Projekten im eigenen Betrieb beschleunigen.
Innovation in vier Dimensionen
Der Austragungsort lieferte den passenden Rahmen für Hochtechnologie. Die Gastgeber Vinicio und Roberto Biasi öffneten die Tore von Microgate. Das Unternehmen agiert heute in vier spezialisierten Bereichen: Engineering, Professional Timing, Training & Sport sowie Medical Rehab. Die Teilnehmer erhielten bei der Unternehmensbesichtigung exklusive Einblicke in die Fertigung der Engineering-Sparte, die Weltruhm genießt. Ein Highlight war die Besichtigung des „großen, berührungslosen adaptiven Spiegels“, einer Schlüsseltechnologie für die nächste Generation von Großteleskopen.
Würth Italia: KI-First, Chatbots und Agenten
Riccardo Zorzoni, Head of AI bei Würth Italia, lieferte eine detaillierte Analyse der KI-First-Unternehmensstrategie des Unternehmens. KI wird hier nicht als bloßes Add-on, sondern als Kern der operativen Struktur in allen Geschäftsbereichen verstanden. Ein zentraler Baustein ist der KI-Chatbot „MAIA“. Als omnikanales Support-Tool (Text und Sprache) steht MAIA Kunden und Vertriebsmitarbeitern 24/7 zur Verfügung. Sie beantwortet Fragen zu Produkten und Bestellungen, navigiert durch den Onlineshop und entlastet den Außendienst von repetitiven Anfragen, was mehr Zeit für qualifizierte Beratung schafft. Ergänzend dazu zeigte Zorzoni in einer Video-Demo den Einsatz interner KI-Agenten. Der „Statistic Agent“ und der „Product Agent“ automatisieren komplexe Datenabfragen im Backoffice, die früher manuelle Eingriffe erforderten. Zorzoni konnte zeigen, dass technische Exzellenz sich bei Würth direkt in wirtschaftliche Effizienz und verbesserte Customer Experience übersetzt.
Pionierarbeit mit Augenmaß
Federico Giudiceandrea spannte zum Abschluss den großen Bogen über 50 Jahre KI-Geschichte. Als Präsident von Microtec setzte er schon früh auf Machine Learning und Künstliche Intelligenz, um die optische Qualitätssicherung von Holzprodukten zu revolutionieren. Mit der Gründung des Covision Lab in Brixen institutionalisierte er diesen Vorsprung und schuf ein Kompetenzzentrum für Computer Vision und Deep Learning. In seiner Analyse der aktuellen Large Language Models warnte er jedoch vor falscher Ehrfurcht. Giudiceandrea erklärte das Funktionsprinzip moderner Modelle: Sprache entsteht hier als statistische Wahrscheinlichkeit, nicht durch kognitives Verstehen. Für Unternehmer bedeutet dies, die Technologie als präzises Werkzeug zur Effizienzsteigerung zu nutzen, anstatt auf eine „Wundermaschine“ zu hoffen, die menschliches Denken ersetzt.


