Tirols Industrie blickt trotz geopolitischer Unsicherheit wieder zuversichtlicher nach vorne. Der IV-Tirol-Geschäftsklimaindex steigt auf 33,0 Punkte – die Betriebe erwarten in den kommenden Monaten mehr Produktion und eine bessere Geschäftsentwicklung.
Die Stimmung in der Tiroler Industrie hellt sich weiter auf. Nach dem deutlichen Sprung im 4. Quartal 2025 legt der IV-Tirol-Geschäftsklimaindex im 1. Quartal 2026 erneut zu und steigt von 29,5 auf 33,0 Punkte. Die Verbesserung ist damit weniger Ausdruck einer bereits spürbaren Erholung als ein Blick nach vorne. Viele Betriebe rechnen in den kommenden Monaten mit mehr Produktion und einer verbesserten Geschäftsentwicklung. Das aktuelle Geschäfts- und Auftragsbild bleibt dagegen herausfordernd.
Lage bleibt hinter Stimmung zurück
Die derzeitige Geschäftslage zeigt zu Jahresbeginn ein gemischtes Bild. 23 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Lage als gut (Q4/25: 28 %), 47 Prozent als durchschnittlich (Q4/25: 42 %) und 30 Prozent weiterhin als schlecht (Q4/25: 30 %). Auch bei den Auftragsbeständen ist noch keine klare Erholung erkennbar. 24 Prozent der Betriebe berichten von einem guten Auftragsstand (Q4/25: 25 %), 46 Prozent von einer durchschnittlichen Entwicklung (Q4/25: 46 %) und 30 Prozent von einer schlechten Auftragslage (Q4/25: 29 %). Bei den Auslandsaufträgen sinkt der Anteil positiver Bewertungen auf 22 Prozent (Q4/25: 25 %), während 31 Prozent weiterhin von einer schwachen Entwicklung sprechen. „Die Aufhellung ist erfreulich, aber sie ist noch keine Entwarnung. Viele Betriebe stehen weiterhin unter Druck: schwache Aufträge, hohe Kosten und unsichere Märkte prägen in vielen Unternehmen den Alltag. Entscheidend ist jetzt, ob aus besseren Erwartungen wieder konkrete Investitionen, zusätzliche Produktion und sichere Beschäftigung werden“, betont IV-Tirol-Präsident Max Kloger.
Produktionserwartungen steigen deutlich
Deutlich positiver fällt der Blick auf die kommenden Monate aus. 43 Prozent der Unternehmen rechnen in sechs Monaten mit einer guten Geschäftslage (Q4/25: 31 %), 56 Prozent mit einer durchschnittlichen Entwicklung (Q4/25: 60 %) und nur noch 1 Prozent mit einer schlechten (Q4/25: 9 %). Besonders stark verbessert haben sich die Produktionserwartungen: 48 Prozent der Betriebe erwarten in den nächsten drei Monaten eine steigende Produktion (Q4/25: 29 %), 51 Prozent gehen von einer stabilen Entwicklung aus (Q4/25: 55 %) und nur noch 1 Prozent rechnet mit einem Rückgang (Q4/25: 16 %). Auch bei der Beschäftigung entspannt sich der Ausblick. 21 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem steigenden Personalstand (Q4/25: 21 %), 54 Prozent mit einer stabilen Entwicklung (Q4/25: 43 %) und 25 Prozent mit einem Rückgang (Q4/25: 36 %). Vor allem positive Erwartungen einzelner größerer Industriebetriebe, die in derzeit robusteren Geschäftsfeldern tätig sind, tragen zur besseren Stimmung bei. Der bessere Ausblick speist sich damit nicht nur aus der Erwartung einer Erholung, sondern auch aus gewachsener Krisenfestigkeit: Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren gelernt, mit Volatilität, Kostendruck und unsicheren Märkten umzugehen.
GAW-Prognose: Industrie stützt Tirols Wachstum
Die von der IV Tirol in Auftrag gegebene Wirtschaftsprognose der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) ordnet die Aufhellung in ein verhaltenes Konjunkturbild ein. Für Tirol erwartet die Prognose 2026 ein reales Wachstum von 0,5 Prozent. Damit liegt das Land im gesamtösterreichischen Trend: Auch das IHS rechnet für Österreich mit 0,5 Prozent Wachstum, das WIFO erwartet je nach Szenario 0,2 bis 1,1 Prozent. Für Tirol zeigt die Prognose zugleich, wie wichtig die Industrie für das Gesamtbild bleibt. Die Industrie inklusive Bau soll 2026 leicht unter 1,0 Prozent wachsen und damit über dem Tiroler Durchschnitt liegen. Ohne Bau liegt die Prognose für die Kernindustrie bei 1,4 Prozent. Gebremst wird das industrielle Gesamtbild vor allem durch die schwächere Baukonjunktur; robuster entwickeln sich exportstarke Bereiche wie Elektrotechnik, Elektronik und Maschinenbau, für die Wachstumsraten von 2 Prozent und darüber erwartet werden.
Wachstum braucht Entlastung
Für Kloger ist der gestiegene Geschäftsklimaindex ein positives Signal, aber noch kein belastbarer Aufschwung. „Die Prognose zeigt: Tirol bekommt 2026 keinen Aufschwung geschenkt. Die Industrie ist einer der wenigen Bereiche, die stärker wachsen können als die Gesamtwirtschaft. Gerade deshalb darf die Bundesregierung die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe nicht durch höhere Kosten, spätere Entlastungen und zusätzliche Bürokratie schwächen. Die Senkung der Lohnnebenkosten ist richtig, aber sie darf nicht zur Mogelpackung werden. Gerade größere Industrieunternehmen laufen Gefahr, dass ihnen mit der einen Hand etwas gegeben und mit der anderen über neue Belastungen wieder genommen wird. Wenn die Lohnnebenkosten sinken, gleichzeitig aber die Körperschaftsteuer steigt oder zusätzliche bürokratische Pflichten neue Kosten verursachen, entsteht kein Standortimpuls. Dann steht Entlastung auf der Verpackung, aber im Betrieb kommt keine echte Entlastung an. Was die Industrie braucht, ist eine Nettoentlastung – spürbar, planbar und investitionswirksam. Gleichzeitig muss der Industriestrompreis rasch wirksam werden. Deutschland schafft Fakten, jetzt muss auch Wien liefern. Zusätzlich dürfen neue Berichtspflichten im Zuge der EU-Entgelttransparenzrichtlinie strategische Planung und Investitionen nicht weiter ausbremsen. Sonst bleibt der Vertrauensvorschuss der Betriebe ungenutzt – und Tirol verliert genau jene Dynamik, die 2026 den Unterschied machen kann“, so Kloger abschließend.


