Beim zweiten Industriegespräch 2026 ging es um Standortpolitik, die in den Betrieben ankommt: eine sachgerechtere Bemessung der Tourismusabgabe, bessere und wirtschaftsfreundlichere Verwaltungsverfahren, gesicherte Erweiterungsflächen und wettbewerbsfähige Energiepreise.
Die Tiroler Industrie geht mit vorsichtig besseren Erwartungen in die kommenden Monate, steht aber weiterhin unter spürbarem Kosten- und Wettbewerbsdruck. Genau diese Spannung prägte das zweite Industriegespräch 2026 im Landhaus: Landeshauptmann Anton Mattle und Wirtschaftslandesrat Mario Gerber diskutierten mit IV-Tirol-Vizepräsident und WKT-Spartenobmann Industrie Karlheinz Wex, IV-Tirol-Geschäftsführer Michael Mairhofer sowie WKT-Spartengeschäftsführer Oswald Wolkenstein über Reformschritte, die Verfahren beschleunigen, betriebliche Entwicklung ermöglichen und die Kostenstruktur der Unternehmen entlasten sollen.
Abgabenlogik mit betrieblicher Wirkung
Eine konkrete Reformfrage betraf die Behandlung sogenannter Innenumsätze bei der Tourismusabgabe. Betroffen sind Industriebetriebe mit Konzernstrukturen, in denen Leistungen innerhalb einer Unternehmensgruppe verrechnet werden. Nach der derzeitigen Logik können solche internen Verrechnungen die Bemessungsgrundlage erhöhen, obwohl dahinter kein Verkauf an externe Kunden steht. Dadurch steigt die Tourismusabgabe, ohne dass außerhalb der Unternehmensgruppe tatsächlich mehr Umsatz entsteht. Aus Sicht der Industrie zeigt sich daran ein grundsätzliches Problem: Abgabenregeln müssen zur betrieblichen Realität moderner Unternehmensstrukturen passen. Wenn reine Binnenverrechnungen gleich behandelt werden wie zusätzlicher Außenumsatz, entsteht eine Belastung, die mit der tatsächlichen wirtschaftlichen Wertschöpfung nicht ausreichend übereinstimmt. Die Industrievertreter warben daher für eine sachgerechtere Lösung, die interne Leistungsbeziehungen klarer von echten Marktumsätzen abgrenzt.
Verwaltung mit verbindlicher Wirkung
Breiten Raum nahm der Tirol Konvent ein. IV Tirol und Wirtschaftskammer Tirol haben ihr gemeinsames Positionspapier „Next Public“ Anfang März bei Landeshauptmann Mattle und Ende März im Verwaltungsforum Sozialpartnerschaft präsentiert. Ziel ist nun, das Papier als gemeinsame Grundlage für den weiteren Reformrahmen zu verankern. Der wirtschaftliche Kern liegt dabei nicht allein in der Digitalisierung bestehender Abläufe. Für Betriebe zählt, ob Verfahren planbarer, verständlicher und schneller werden. Verwaltung entscheidet damit unmittelbar über Investitionen: Wer Projekte erweitern, Anlagen modernisieren oder neue Technologien einsetzen will, braucht verlässliche Prozesse und klare Zuständigkeiten. Aus Sicht der Industrievertreter kann der Tirol Konvent dann Wirkung entfalten, wenn aus technischen Lösungen auch eine spürbare Entlastung in der Praxis wird.
Erweiterungsflächen rechtzeitig sichern
Ein weiterer Schwerpunkt war die Sicherung von Vorsorgeflächen für betriebliche Erweiterungen. Das entsprechende Konzept wurde am 7. April Landeshauptmann Anton Mattle und Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler präsentiert. Die weitere Umsetzung soll gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Tirol und den zuständigen Abteilungen des Landes vorangetrieben werden. Für die Tiroler Industrie ist diese Frage zentral. Viele Betriebe sind tief in ihren Regionen verwurzelt, stoßen bei Erweiterungen aber immer wieder an räumliche Grenzen. Wenn bestehende Unternehmen am Standort wachsen sollen, braucht es rechtzeitig gesicherte Flächen, klare Verfahren und eine Raumordnung, die industrielle Wertschöpfung als Teil regionaler Entwicklung begreift.
Energiepreise mit Wettbewerbswirkung
Auch die energiepolitischen Maßnahmen der Bundesregierung wurden eingeordnet. Österreich steht bei Stromkosten weiterhin unter Wettbewerbsdruck und hat lange über kein mit anderen EU-Staaten vergleichbares Standortinstrument verfügt. Mit dem Standortinstrument SAG stehen für besonders stromintensive Unternehmen für 2025 und 2026 jeweils 75 Millionen Euro zur Verfügung. Ab 2027 soll SAG+ mit einer erweiterten Sektorenliste folgen. Die Förderrichtlinien, der Leitfaden und die Anmeldung wurden Mitte April veröffentlicht, die beihilfenrechtliche Genehmigung der EU bleibt vorbehalten. Entscheidend wird sein, ob der angekündigte Industriestrompreis ab 2027 breit genug ausgestaltet und ausreichend finanziert wird. Nur dann kann er die Kostenstruktur energieintensiver Unternehmen tatsächlich verbessern. Diese Fragen werden auch beim Industriedialog mit Bundeskanzler Christian Stocker am 12. Mai bei Leonard Lang eine zentrale Rolle spielen.


