Der erste Mobilitätsdialog Tirol des BVe – Bundesverband eMobility Austria fand am 13. Oktober in Kooperation mit der IV Tirol im Tiroler Haus der Industrie statt. Die Diskussion im Rahmen der Strategischen Allianz Automatisierte Mobilität (SAAM) beleuchtete Anwendungsmöglichkeiten für Verkehr, Industrie und Logistik.
Robotaxis und selbstfahrende Busse ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich. Für Unternehmen sind jedoch häufig Anwendungen auf dem eigenen Betriebsgelände naheliegender: Fahrzeuge, die selbstständig Material transportieren oder rangieren, sowie automatisierte Arbeitsmaschinen. Dort sind die Fahrwege meist klar definiert und das Umfeld leichter kontrollierbar.
Chancen für die Industrie
IV-Tirol-Geschäftsführer Michael Mairhofer plädierte dafür, das Thema nicht auf den Personenverkehr zu reduzieren. Angesichts hoher Kosten und des Arbeitskräftemangels könne Automatisierung industrielle Abläufe produktiver machen. Betriebsgelände seien ein sinnvoller erster Einsatzort, noch bevor vergleichbare Systeme im öffentlichen Straßenverkehr verbreitet sind. „Es geht nicht darum, Fahrer zu ersetzen, sondern den Mangel an Arbeitskräften abzufedern. Gerade im industriellen Umfeld, wo Abläufe und Fahrwege klar definiert sind, sehe ich große Chancen, mit Automatisierung die Produktivität und damit die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe zu erhöhen“, erklärte Mairhofer.
Darin liegt auch eine Chance für die österreichische Zulieferindustrie. Ihre Kompetenzen in der Fahrzeugtechnik können bei der Entwicklung elektrisch angetriebener und automatisierter Fahrzeuge gefragt sein. Mairhofer betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie, um eigenes Know-how aufzubauen und Wertschöpfung in Europa zu sichern.
Der Weg in den Regelbetrieb
Wie anspruchsvoll der Schritt in den Regelbetrieb ist, zeigte das vorgestellte Forschungsprojekt ROBERTA. Es soll automatisierte Linienbusse in vier Bundesländern erproben, darunter auch in Innsbruck. Geplant sind längere Tests im tatsächlichen Verkehr statt kurzer Demonstrationsfahrten. Dafür braucht es neben geeigneten Fahrzeugen auch funktionierende Betriebsabläufe.
Die von Gerald Windisch moderierte Diskussion zeigte die Grenzen der bisherigen Entwicklung auf: Hohe Anschaffungskosten, geringe Stückzahlen und unterschiedliche rechtliche Vorgaben erschweren einen wirtschaftlich tragfähigen Regelbetrieb. Verkehrsunternehmen müssen außerdem klären, wie automatisierte Fahrzeuge in bestehende Angebote integriert werden und wer künftig Aufgaben der Fahrgastbetreuung übernimmt.
Für Unternehmen entscheidet sich der Nutzen letztlich daran, ob sich automatisierte Fahrzeuge verlässlich und wirtschaftlich in bestehende Abläufe integrieren lassen. Auf Betriebsgeländen könnte die Tiroler Industrie damit frühzeitig praktische Erfahrungen sammeln.


