In den kommenden Jahren kommt es auf mehreren wichtigen Bahnstrecken in Deutschland zu umfassenden Generalsanierungen. Grund dafür ist der hohe Sanierungsbedarf im deutschen Schienennetz. Für Tirol sind diese Arbeiten besonders relevant, weil zentrale Verbindungen über das sogenannte „Deutsche Eck“ sowie die Nord-Süd-Verkehre über München, Rosenheim und die Brennerachse betroffen sind. Die Sperren führen zwischen 2026 und 2028 zu Umleitungen, längeren Fahrzeiten und Einschränkungen im Personen- und Güterverkehr.
Die wichtigsten Sperren betreffen zunächst Regensburg–Nürnberg im ersten Halbjahr 2026 sowie Passau–Obertraubling im zweiten Halbjahr 2026. Im ersten Halbjahr 2027 folgt die Sperre Freilassing–Rosenheim, die vor allem den Personenverkehr über das Deutsche Eck stark betrifft. Für das erste Halbjahr 2028 ist schließlich die Sperre Rosenheim–München vorgesehen. Diese wurde nach den vorliegenden Informationen von ursprünglich fünf auf zwei Monate verkürzt und soll von 25. Februar bis 21. April 2028 dauern.
Auswirkungen bereits 2026
Bereits im zweiten Halbjahr 2026 wird die Sperre Passau–Obertraubling spürbare Folgen haben. Die ICE-Linie Wien–Regensburg–Nürnberg fällt aus, über Passau fahren keine Züge nach Deutschland. Für Reisende von und nach München bzw. Innsbruck verlängert sich die Fahrzeit über das Deutsche Eck um rund 15 Minuten, von und nach Vorarlberg um rund 30 Minuten. Gleichzeitig werden zusätzliche Verbindungen über Salzburg bzw. Wels–Simbach–München angeboten.
Im Güterverkehr ist die Lage besonders anspruchsvoll: Rund 120 Güterzüge pro Tag müssen über Salzburg umgeleitet werden. Die ÖBB gehen davon aus, dass durch zusätzliche Fahrplanmaßnahmen für rund 80 Prozent der bestehenden Güterverkehrskapazitäten eine Umleitung auf der Schiene bereitgestellt werden kann. Auf den Umleitungsstrecken – etwa Ennstal, Pyhrn, Schoberpass oder Giselabahn – ist die Trassenkapazität allerdings eingeschränkt.
2027: Größte Einschränkungen im Personenverkehr
Besonders herausfordernd wird aus heutiger Sicht das erste Halbjahr 2027. Die Totalsperre Freilassing–Rosenheim betrifft das Deutsche Eck und damit eine zentrale Verbindung für den österreichischen Ost-West-Verkehr. Züge der Relation Wien–München sollen über Passau umgeleitet werden, mit einer Fahrzeitverlängerung von 30 bis 45 Minuten. Züge von Wien nach Zürich und retour werden über Bischofshofen geführt; dadurch verlängert sich die Fahrzeit um rund 90 Minuten bis Innsbruck bzw. um rund 120 Minuten bis Zürich. Für Fernverkehrszüge der ÖBB und Westbahn ist zudem Schienenersatzverkehr zwischen Salzburg und Kufstein bzw. Innsbruck vorgesehen.
Erschwerend kommt hinzu, dass diese Sperre zeitlich mit weiteren Infrastrukturmaßnahmen zusammenfällt – unter anderem mit der ÖBB-Tauernsperre und Einschränkungen auf der A13 im Zusammenhang mit dem Neubau der Luegbrücke. Dadurch wird die Abstimmung zwischen Bahn, Straße, Nahverkehr und Güterverkehr besonders wichtig.
2028: Brennerachse im Fokus
Für die Tiroler Wirtschaft besonders relevant ist die geplante Sperre Rosenheim–München im Jahr 2028. Diese Verbindung ist ein zentraler Abschnitt für den internationalen Nord-Süd-Güterverkehr und damit auch für die Brennerachse. Im Güterverkehr sind großräumige Umleitungen vorgesehen, unter anderem für Verkehre von und nach Triest und Koper über die Pyhrn-Strecke und die alte Südstrecke. Zusätzlich werden innerdeutsche Umleitungen auf der Brennerachse notwendig. Die Unterlagen weisen auf erhebliche Laufwegverlängerungen und eingeschränkte Kapazitäten auf den Ausweichstrecken hin.
Für die verladende Wirtschaft bedeutet das: Transporte auf der Schiene bleiben möglich, werden aber stärker planungsabhängig. Kapazitäten, Laufzeiten und verfügbare Trassen müssen frühzeitig abgeklärt werden. Die ÖBB haben deshalb beim „Schienentag Tirol“ gemeinsam mit dem Land Tirol und der Wirtschaftskammer Tirol die enge Abstimmung mit Logistik, Verkehr und Wirtschaft betont. Ziel ist es, Mobilität und Versorgungssicherheit bestmöglich zu gewährleisten und eine Rückverlagerung von Transporten auf die Straße so weit wie möglich zu vermeiden.
Was Betriebe beachten sollten
Für Unternehmen mit regelmäßigen Bahntransporten, internationalen Lieferketten oder zeitkritischer Logistik empfiehlt sich eine frühzeitige Abstimmung mit Bahnspeditionen, Operateuren und Kunden. Besonders bei Verkehren über Salzburg, München, Rosenheim, die Brennerachse sowie bei Relationen Richtung Deutschland, Nordseehäfen, Triest oder Koper sollten mögliche Fahrzeitverlängerungen und eingeschränkte Kapazitäten bereits in der Planung berücksichtigt werden.
Die Sanierungen sind langfristig notwendig, um die Leistungsfähigkeit des europäischen Bahnnetzes zu verbessern. Kurz- und mittelfristig bringen sie aber spürbare Einschränkungen für Tirol. Entscheidend wird daher sein, dass Informationen frühzeitig verfügbar sind, Umleitungsrouten realistisch geplant werden und die Bedürfnisse der verladenden Wirtschaft in die weiteren Abstimmungen einfließen.



