Ein Kommentar von Michael Mairhofer, Geschäftsführer der IV Tirol
Die geplante Tiroler Baurechtsnovelle bringt sinnvolle Erleichterungen. Für größere Industrieprojekte bleibt jedoch die entscheidende Hürde bestehen: das Genehmigungsverfahren. Die Novelle ist ein erster Schritt in die richtige Richtung – für eine spürbare Entlastung braucht es aber mehr Reformwillen.
Bei der Erweiterung eines Industriestandorts müssen Bau, technische Anlagen und Produktionsabläufe eng aufeinander abgestimmt werden. Verzögert sich die Genehmigung, geraten nicht nur Bautermine ins Rutschen. Investitions- und Produktionspläne verschieben sich, Kosten steigen und Kapital bleibt länger gebunden. Aus einem langwierigen Bauverfahren wird so ein wirtschaftliches Problem für den gesamten Betrieb. Rasche und verlässliche Genehmigungen sind deshalb ein entscheidender Standortfaktor.
Die entscheidenden Hürden bleiben
Der Entwurf des Tiroler Baurechts-Deregulierungsgesetzes 2026 erleichtert Sanierungen, Umbauten und kleinere Bauvorhaben. Davon profitieren auch Unternehmen, die bestehende Gebäude modernisieren. Die Genehmigungsabläufe für größere Industrieprojekte bleiben jedoch weitgehend unverändert. Besonders kritisch sind Änderungen während der Bauphase. Bei komplexen Industrieprojekten sind technische Anpassungen oft unvermeidbar. Doch schon eine überschaubare Planänderung kann neue Unterlagen, Prüfungen und Behördenabstimmungen erfordern. Die Novelle berücksichtigt zwar technische Ausführungstoleranzen, schafft aber keinen vereinfachten Weg für kleinere Änderungen am genehmigten Projekt. Das ist die eigentliche Schwäche der Reform: Sie beseitigt einzelne Hürden beim Bauen, lässt aber jene Verfahren weitgehend unangetastet, die über Zeit, Kosten und Planungssicherheit industrieller Investitionen mitentscheiden.
Ein vermeidbarer Standortnachteil
Unsere Industrieunternehmen konkurrieren auf internationalen Märkten und müssen laufend in neue Technologien, moderne Anlagen und höhere Produktivität investieren. Doch neue Produktionskapazitäten entstehen nicht automatisch in Tirol. Gerade international aufgestellte Unternehmen vergleichen Standorte und entscheiden, wo sich Investitionen wirtschaftlich und verlässlich umsetzen lassen. Hohe Arbeits- und Energiekosten belasten den Industriestandort Tirol bereits erheblich. Darauf kann die Landesregierung nur begrenzt Einfluss nehmen. Bei Bauvorschriften und Genehmigungsverfahren hat das Land dagegen konkrete Gestaltungsmöglichkeiten. Wenn bürokratische Hürden Projekte zusätzlich verzögern und verteuern, entsteht ein vermeidbarer Standortnachteil. Was Unternehmen durch Innovation und Effizienz gewinnen, darf nicht durch unnötige Bürokratie wieder verloren gehen.
Vom Tirol-Konvent zur Baurechtsreform
Im Tirol-Konvent arbeiten das Land Tirol, die IV Tirol, die Wirtschaftskammer Tirol und weitere Partner an einer effizienteren Verwaltung. IV Tirol und Wirtschaftskammer vertreten dabei die Anliegen von Industrie und Wirtschaft. Ein konkretes Ergebnis ist die digitale Verfahrensplattform für gewerbliche Betriebsanlagen. Nach der erfolgreichen Erprobung in Schwaz ist sie inzwischen in allen Tiroler Bezirken im Einsatz. Unternehmen können Anträge digital einreichen und den Bearbeitungsstand verfolgen. Schon heute werden Bauverfahren bei Industrieprojekten teilweise im Rahmen gewerbebehördlicher Verfahren mitbehandelt oder parallel geführt. Der nächste Ausbau der digitalen Plattform soll diesen Mit- und Parallelvollzug verbessern: Künftig sollen auch die damit verbundenen Bauverfahren digital eingereicht und abgewickelt werden können.
Jetzt die Abläufe vereinfachen
Für die Unternehmen ist aber entscheidend, dass nicht nur die digitale Abwicklung verbessert wird, sondern die Genehmigungsverfahren insgesamt schneller und verlässlicher werden. Dazu braucht es eine frühzeitige Prüfung der Unterlagen, klare Fristen, transparente Verfahrensschritte und weniger Mehrfachprüfungen. Auch kleinere Projektänderungen müssen einfacher genehmigt werden können. Für größere Vorhaben braucht es klare Regeln zu Bauabschnitten und Teilfreigaben. Nicht die Zahl geänderter Vorschriften zählt, sondern ihre Wirkung für die Betriebe. Können Unternehmen in Tirol schneller, einfacher und verlässlicher investieren und bauen? Daran muss sich echte Deregulierung messen lassen.


