2025 hat die IV Tirol die Kooperation mit Südtirol und Bayern von Gesprächen in eine sichtbare gemeinsame Positionierung überführt. Zwei abgestimmte Aussendungen setzten freien Warenverkehr, raschere Zulaufstrecken, Terminalfragen und digitales Verkehrsmanagement auf die politische und mediale Agenda entlang des Brenners.
Das Leitprojekt hat 2025 gezeigt, wann grenzüberschreitende Kooperation Wirkung entfaltet: dann, wenn gemeinsame Interessen nicht abstrakt bleiben, sondern in konkrete Forderungen übersetzt werden. Zwischen Bozen, Innsbruck und München entstand so ein belastbares Format, das offene Engpässe am Brenner klar benennt und den Korridor als gemeinsamen Wirtschafts- und Verkehrsraum sichtbar macht.
Gemeinsame Positionen
Im Frühjahr bekam die Kooperation eine klarere Kontur. Bei der gemeinsamen Präsidiumssitzung von IV Tirol und Unternehmerverband Südtirol in Bozen rückten wirtschaftliche Lage, Transit und Standortfragen eng zusammen. Für das Leitprojekt besonders wichtig war die abgestimmte Linie beim Warenverkehr über den Brenner: Der freie europäische Güterfluss blieb der Ausgangspunkt, verbunden mit der Forderung nach einer ökologisch und sozial tragfähigen Verkehrssteuerung, dem rascheren Ausbau von Nord- und Südzulauf zum Brennerbasistunnel sowie besseren Terminalanbindungen. Aus einem bilateralen Austausch wurde damit 2025 ein gemeinsamer politischer Referenzpunkt. Das Leitprojekt gewann an Profil, weil nicht nur Kritik formuliert, sondern ein gemeinsamer Lösungsrahmen entlang des gesamten Korridors beschrieben wurde.
Der Engpass wird öffentlich benannt
Im September folgte der sichtbarste Schritt des Jahres. Gemeinsam mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft rückte die Kooperation den deutschen Nordzulauf ins Zentrum und benannte die bayerische Zulaufstrecke offen als Nadelöhr des Gesamtprojekts. Die Botschaft verband mehrere Ebenen: Tempo bei der Trassenentscheidung, Investitionen in Zulaufstrecken und Verladeinfrastruktur, gemeinsame Standards sowie ein digitales Verkehrsmanagement, das Straße und Schiene besser verzahnt. Gerade diese Verdichtung verlieh dem Leitprojekt Reichweite. Die Positionierung wurde in Nordtirol medial aufgegriffen und erschien auch in Südtirol in der Tagespresse. Das Leitprojekt wirkte damit 2025 nicht nur intern, sondern als öffentlich wahrnehmbare Stimme entlang der Achse.
Kooperation mit klarem Arbeitsauftrag
Der Fortschritt des Jahres liegt weniger in der Zahl der Aussendungen als in ihrer Funktion. Beide Positionierungen knüpften an konkrete Engpässe an und verschoben die Debatte von isolierten Einzelmaßnahmen hin zu einem abgestimmten Blick auf den Brennerkorridor. Offen blieb 2025 vor allem der deutsche Nordzulauf. Genau daraus ergibt sich der weitere Arbeitsauftrag: den politischen Druck auf die fehlenden Ausbauschritte hochzuhalten und die Debatte stärker auf umsetzbare, grenzüberschreitend abgestimmte Lösungen zu lenken. Parallel dazu braucht der Korridor mehr Verlässlichkeit bei Terminalfragen, bei der Abstimmung von Straße und Schiene und bei digitalen Steuerungsinstrumenten. Das Leitprojekt hat 2025 dafür eine deutlich belastbarere Grundlage geschaffen.
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KPI-Check 2025:
- Anzahl der Pressemaßnahmen bzw. Medienberichte zur grenzüberschreitenden Kooperation
Status 2025: Aufbauend auf der ersten gemeinsamen Pressekonferenz 2024 standen 2025 nicht Stückzahlen, sondern Themenreichweite und mediale Sichtbarkeit im Vordergrund. Die Kooperation setzte mit der Aussendung vom 29.04.2025 von IV Tirol und Unternehmerverband Südtirol sowie mit der gemeinsamen Aussendung von Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Unternehmerverband Südtirol und IV Tirol vom 04.09.2025 klare Positionen zu freiem Warenverkehr, Zulaufstrecken, Terminalausbau und digitalem Verkehrsmanagement. Die Resonanz reichte in Nordtirol bis ORF Tirol und in Südtirol bis in die Tagespresse.
- Monitoring der Umsetzung des 10-Punkte-Plans des Landes von 2019 mit Ampelsystem
Status 2025: Der 10-Punkte-Plan zeigt ein gemischtes Bild. Fortschritte bestehen bei RoLa-Förderung, Lkw-Leitsystem 2.0 und der Entlastung des Netzes im Raum Kufstein/Kiefersfelden. Teilfortschritte zeigen sich bei Terminalanbindung, ETCS, verkehrspolitischen Innovationen, RoLa-Kapazitäten und der verkehrsträgerübergreifenden Abstimmung. Klar offen blieb 2025 vor allem die Planungsbeschleunigung beim deutschen BBT-Nordzulauf: Die gemeinsame Aussendung vom 04.09.2025 bezeichnete die bayerische Zulaufstrecke ausdrücklich als Nadelöhr des Gesamtprojekts; dass die politische Entscheidung darüber auch Anfang 2026 noch ausstand, unterstreicht den anhaltenden Rückstand dieses Punktes.
Arbeitsbewertung des 10-Punkte-Plans 2025 mit Ampelsystem
Die folgende Einschätzung ist eine Arbeitsbewertung für das Leitprojekt und keine offizielle Landesampel.
1. Förderung des Kombinierten Verkehrs einschließlich der Rollenden Landstraße
Ampel: Grün
Die Förderregeln für die RoLa wurden angepasst und zusätzliche Mittel ermöglicht; die Förderungen werden auch weiterhin fortgeführt. Für diesen Punkt ist daher ein klarer Umsetzungsfortschritt dokumentiert.
2. Bessere Anbindung der Güterverkehrsterminals an die Brennerstrecke
Ampel: Gelb
In Bayern ist Bewegung sichtbar: München-Riem bleibt eine zentrale Drehscheibe auf der Nord-Süd-Achse, zugleich wird mit München Nord ein zusätzlicher Standort vorbereitet, um neue Kapazitäten im Kombinierten Verkehr zu schaffen. In Tirol ist der Ausbau des Terminals Hall genehmigt und in Planung, ein fixes Bekenntnis zu einem weiteren Terminal liegt derzeit nicht vor; genauere Informationen dazu wurden im Leitprojekt 2.3. eingeholt. Auf italienischer Seite bleibt vor allem Trient ein offener Punkt: Der Ausbau des Terminals verzögert sich seit Jahren, unter anderem wegen massiv gestiegener Kosten, und ein belastbarer Fortschritt war 2025 noch nicht erkennbar. Für Südtirol ist nach der Einordnung beim Logistik-Gipfel Tirol 2026 kein eigener Terminal vorgesehen, weil die beförderten Tonnagen dafür nicht sprechen. Fortschritt ist damit erkennbar, ein durchgängiger Ausbau entlang des Korridors aber noch nicht erreicht.
3. Intelligentes Lkw-Leitsystem 2.0
Ampel: Gelb
Kurz- und mittelfristige Maßnahmen wurden zu einem überwiegenden Teil umgesetzt. Seit 2023 wurde das Thema in die Arbeit am digitalen Verkehrsmanagement am Brennerkorridor überführt und damit operativ weiterentwickelt. Im Sommer 2025 wurde das „Slot-System“ final ausgearbeitet jedoch aufgrund der ausstehende Klage Italiens bis 2026 noch nicht vorgestellt.
4. Entlastung des untergeordneten Verkehrsnetzes im Raum Kiefersfelden/Kufstein
Ampel: Grün
Die Mautbefreiung im Raum Kufstein ist umgesetzt und seit Dezember 2019 in Kraft. Der Punkt ist damit in der vereinbarten Zielrichtung erledigt.
5. Gemeinsames Vorgehen bei der Überarbeitung der Europäischen Richtlinien, Wegekostenrichtlinie und Eurovignette
Ampel: Gelb
Der Punkt hat sich formal durch die geänderte Richtlinie erledigt. Inhaltlich bleibt die Wirkung aus Sicht des Brennerkorridors begrenzt, weil die gewünschte starke Lenkungswirkung zugunsten der Schiene nicht vollständig erreicht wurde.
6. Gemeinsames Voranbringen von verkehrspolitischen Innovationen
Ampel: Gelb
Bei Elektrifizierung, Wasserstoff und digitalen Anwendungen gibt es mehrere Initiativen in Tirol und Bayern. Für Grün fehlt jedoch eine durchgängig sichtbare, grenzüberschreitend abgestimmte Umsetzung entlang des Korridors.
7. Einrichtung neuer Leit- und Sicherungstechnik ETCS auf der Bestandsstrecke von München nach Kufstein
Ampel: Gelb
Auf Tiroler Seite ist die Brennerachse bereits mit ETCS ausgerüstet, auf deutscher Seite ist das Vorhaben strategisch verankert. Die veröffentlichte ETCS-Migrationsstrategie bis Ende 2028 und die Einbettung in den ScanMed-Korridor der Digitalen Schiene Deutschland zeigen klaren Planungsfortschritt. Für Grün reicht das 2025 noch nicht, weil die Umsetzung unter Finanzierungsvorbehalt steht und die durchgängige ETCS-Befahrbarkeit bis Kiefersfelden erst mit dem späteren Ausbauziel erreicht werden soll.
8. Ausschöpfung aller vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten zur Planungsbeschleunigung des BBT-Nordzulaufs
Ampel: Rot
Genau hier lag 2025 der größte Rückstand. Der deutsche Nordzulauf wurde in der gemeinsamen Aussendung vom 04.09.2025 ausdrücklich als Nadelöhr für das Gesamtprojekt benannt; Anfang 2026 war die politische Entscheidung über Trasse und weiteren Fortgang in Deutschland dennoch weiter ausständig. Die erwartete Entscheidung im ersten Halbjahr 2026 und die weiterhin erst für 2040 angepeilte Fertigstellung der Neubaustrecke zeigen, wie deutlich dieser Punkt hinter dem Gesamtprojekt zurückliegt.
9. Erhöhung Kapazitäten Rollende Landstraße zwischen Wörgl und Trento u.a.
Ampel: Gelb
Die zugesagten Kapazitäten wurden bereitgestellt und die RoLa ausgebaut. Der praktische Effekt bleibt aber hinter den Möglichkeiten zurück, weil die vorhandenen Kapazitäten deutlich unter ihrer theoretischen Auslastung genutzt werden.
10. Zwecks effizienter Steuerung des Verkehrs zwischen Schiene und Straße wird eine gemeinsame Arbeitsgruppe, AUT/DE, verkehrsträgerübergreifend zwischen den Bahnen und Straßeninfrastrukturbetreibern eingerichtet
Ampel: Gelb
Abstimmungen finden statt und wurden bei Sanierungen und Engpässen mehrfach aktiviert. Für Grün fehlt noch ein dauerhaft sichtbarer, institutionell gefestigter Umsetzungsstand mit klar erkennbarer Steuerungswirkung über Ländergrenzen hinweg.

