Beim Industriegespräch am 1. Oktober ging es um jene Bedingungen, die darüber entscheiden, ob Unternehmen in Tirol investieren und wachsen können. Im Mittelpunkt standen Industrielage, Luftqualitätsregeln, Verkehr und Logistik sowie zentrale Standortfragen.
Die Tiroler Industrie hat 2025 mit einem Produktionswert von 16 Milliarden Euro einen neuen Höchststand erreicht. Gleichzeitig bleibt der Blick nach vorne verhalten: Der Geschäftsklimaindex der IV Tirol sank im zweiten Quartal 2026 von 33 auf 24 Punkte, nur vier Prozent der Unternehmen planen höhere Investitionen. Diese Spannung prägte den Austausch von Landeshauptmann Anton Mattle und Wirtschaftslandesrat Mario Gerber mit IV-Tirol-Vizepräsident Karlheinz Wex und IV-Tirol-Geschäftsführer Michael Mairhofer.
Regulierung mit Augenmaß
Ein Schwerpunkt war die Umsetzung der neuen EU-Luftqualitätsrichtlinie. Ab 2030 gelten deutlich strengere Grenzwerte. Für die Industrie ist wichtig, dass Tirol die europäischen Vorgaben nicht durch zusätzliche Sonderauflagen verschärft. Maßnahmen müssen sich am tatsächlichen Beitrag einzelner Emittenten orientieren und verhältnismäßig bleiben. Betriebe am Stand der Technik brauchen Planungssicherheit für Investitionen und Erweiterungen.
Verkehr muss praktikabel bleiben
Auch das geplante SLOT-System für Lkw über 7,5 Tonnen wurde diskutiert. Eine bessere Verteilung von Verkehrsspitzen kann Vorteile bringen. Gleichzeitig würde vor allem die komplexe Variante mit mehreren Teilabschnitten neue Buchungs-, Abstimmungs- und Kontrollprozesse schaffen. Für heimische Unternehmen kann das weniger Flexibilität bei kurzfristigen Lieferungen, Ersatzteilen oder eng getakteten Produktionsabläufen bedeuten. Eine bessere zeitliche Verteilung reduziert zudem nicht automatisch das Transitaufkommen. Dass Verlagerung auf die Schiene nicht an einem einzelnen Infrastrukturprojekt hängt, zeigt eine aktuelle IV-Tirol-Umfrage. Mehr als die Hälfte der antwortenden Unternehmen könnte bei attraktiven Rahmenbedingungen mehr Güter auf der Schiene transportieren. Dafür braucht es wettbewerbsfähige Kosten, kurze Laufzeiten, Zuverlässigkeit und Planbarkeit. Ein zusätzliches Terminal allein löst diese Fragen nicht.
Wien-Verbindung erhalten
Zur Sprache kam auch die Flugverbindung zwischen Innsbruck und Wien, die derzeit im Sommer zweimal und im Winter dreimal täglich angeboten wird. Nach dem Wegfall der Frankfurt-Verbindung hat sie für die überregionale Erreichbarkeit Tirols weiter an Bedeutung gewonnen. Aus Sicht der Industrie kommt es dabei nicht nur darauf an, dass die Verbindung bestehen bleibt. Flugzeiten müssen Geschäftsreisen tatsächlich ermöglichen, mit einer frühen Verbindung nach Wien und einer späten Rückflugmöglichkeit nach Innsbruck.
Elektrotechnik nicht verlieren
Besprochen wurde auch die mögliche Einstellung des Bachelor- und Masterstudiums Elektrotechnik an Universität Innsbruck und UMIT TIROL. Damit würde das letzte Elektrotechnikstudium in Westösterreich wegfallen. Die Möglichkeit, Studierende stattdessen über die Mechatronik aufzufangen, ersetzt diese fachliche Ausrichtung nicht. Elektrotechnik ist eine Schlüsselqualifikation für Energiewende, Digitalisierung, moderne Medizin und Elektromobilität. Genau in diesen Bereichen werden auch künftig hochqualifizierte Fachkräfte und technisches Know-how benötigt.


