Geschäftslage, Auftragsbestand und Auslandsaufträge haben sich deutlich verbessert. Dennoch fällt der IV-Tirol-Geschäftsklimaindex im 2. Quartal 2026 von 33,0 auf 24,0 Punkte: Die Unternehmen korrigieren ihre Produktionspläne und den Ausblick auf die kommenden sechs Monate deutlich nach unten und rechnen nicht damit, dass sich die zuletzt bessere Entwicklung fortsetzt.
Nach drei schwachen Jahren reicht ein besseres Quartal nicht aus, um aus Vorsicht wieder Zuversicht zu machen. Tirols Industrieunternehmen verzeichnen höhere Aufträge, bleiben bei Produktion und Investitionen aber zurückhaltend. Der Rückgang des Stimmungsbarometers um neun Punkte zeigt: Die bessere aktuelle Lage reicht noch nicht für eine Trendwende. „Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre reicht ein gutes Quartal nicht aus, um die Produktion auszuweiten und neue Investitionen freizugeben. Die Unternehmen warten ab, wie sich die angespannte Lage auf den Weltmärkten und die Nachfrage in den kommenden Monaten entwickeln“, erklärt IV-Tirol-Präsident Max Kloger.
Verbesserung erreicht nicht alle
Im ersten Quartal lag die Aufhellung vor allem in den Erwartungen. Nun hat sich ein Teil davon erfüllt: 33 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut (Q1/26: 23 %), 26 Prozent als schlecht (Q1/26: 30 %). Einen guten Auftragsbestand melden 45 Prozent (Q1/26: 24 %), eine gute Auslandsauftragslage 43 Prozent (Q1/26: 22 %). Die Verbesserung bleibt jedoch ungleich verteilt. Zugleich steigt der Anteil schlechter Bewertungen beim Auftragsbestand auf 36 Prozent (Q1/26: 30 %) und bei den Auslandsaufträgen auf 42 Prozent (Q1/26: 31 %). Die Mitte wird kleiner: Ein Teil der Betriebe meldet eine deutlich bessere Nachfrage, ein anderer bleibt unter erheblichem Nachfragedruck.
Erwartungen brechen ein
Nur noch 22 Prozent erwarten in den nächsten drei Monaten eine steigende Produktion (Q1/26: 48 %), 70 Prozent eine stabile Entwicklung (Q1/26: 51 %) und 8 Prozent einen Rückgang (Q1/26: 1 %). Für das kommende halbe Jahr rechnen nur noch 15 Prozent mit einer guten Geschäftslage (Q1/26: 43 %), 79 Prozent mit einer durchschnittlichen (Q1/26: 56 %) und 6 Prozent mit einer schlechten Entwicklung (Q1/26: 1 %). Die bessere Auftragslage reicht noch nicht aus, um die Produktion auszuweiten. Weil die Unternehmen der jüngsten Verbesserung noch keine Dauer zutrauen, halten sie ihre Kapazitäten weitgehend konstant. Diese Diskrepanz zwischen aktueller Geschäftslage und Ausblick drückt den Geschäftsklimaindex trotz höherer Aufträge deutlich nach unten.
Exportindustrie stützt Tirols Wachstum
Ergänzend zum Geschäftsklimaindex lässt die IV Tirol regelmäßig eine Konjunkturprognose der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) erstellen. Für 2026 erwartet sie ein reales Wachstum der Tiroler Wirtschaft von 0,6 Prozent. Deutlich stärker soll sich die Industrie entwickeln: einschließlich Bau um 1,2 Prozent, ohne Bau um 1,6 Prozent. Vor allem die Elektro- und Elektronikindustrie, der Maschinenbau und die Pharmaindustrie setzen positive Impulse, während die schwache Baukonjunktur bremst. Tirols Wachstum hängt damit in hohem Maß von der exportorientierten Industrie ab. Entscheidend ist, ob die Betriebe international wettbewerbsfähig bleiben und neue Produktion und Investitionen weiterhin in Tirol realisieren.
Deindustrialisierung stoppen
In den vergangenen Jahren hat Tirol Hunderte Industriearbeitsplätze verloren. Gleichzeitig wurden Produktion und Investitionen in andere EU-Länder verlagert. „Deindustrialisierung zeigt sich nicht erst in Werksschließungen, sondern schon dort, wo die nächste Anlage, die nächste Produktlinie oder das nächste Forschungsprojekt nicht mehr in Tirol entsteht. Der Industriestrompreis und die Senkung der Lohnnebenkosten sind notwendige Entlastungen, greifen aber zu kurz. Sie beseitigen nicht die Ursachen des Wettbewerbsverlusts: hohe Abgaben auf Arbeit, jahrelange Verfahren und einen Kompetenzwirrwarr zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, der Reformen verzögert und Investitionen ausbremst. Unser Land und unsere Industrie brauchen tiefgreifende Strukturreformen – ein langfristig finanzierbares Pensionssystem, eine effizientere Verwaltung und klare Zuständigkeiten im Föderalismus. Das Ziel muss sein, die Verlagerung von Produktion und Investitionen zu stoppen und Tirol wieder zu einem Standort zu machen, an dem neue Anlagen gebaut, neue Technologien entwickelt und qualifizierte, gut bezahlte Industriearbeitsplätze geschaffen werden“, fordert Kloger.
Anmerkung: Der Geschäftsklimaindex ist der Mittelwert der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage und der in sechs Monaten erwarteten.


