Der IV-Tirol-Geschäftsklimaindex fällt im 3. Quartal 2026 von 24,0 auf 20,5 Punkte. Die aktuelle Geschäftslage bleibt verhalten, bei den Aufträgen zeichnet sich eine Stagnation ab. Gleichzeitig bleiben die Unternehmen mit Blick auf Preise und insbesondere Beschäftigung vorsichtig.
Trotz positiver gesamtwirtschaftlicher Signale ist der Aufschwung in den Tiroler Industriebetrieben bislang nicht angekommen: 33 Prozent der Unternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage als „schlecht“ (Q2/26: 26 %) und 32 Prozent als „durchschnittlich“ (Q2/26: 41 %). Nur 35 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ (Q2/26: 33 %).
Unsicherheit prägt die aktuelle Stimmung in den Betrieben. Auch der Ausblick in die Zukunft bleibt durchwachsen. So rechnen 93 Prozent mit einer „durchschnittlichen“ Entwicklung der Geschäftslage in sechs Monaten (Q2/26: 79 %), lediglich 6 Prozent erwarten eine „gute“ (Q2/26: 15 %) und 1 Prozent eine „schlechte“ (Q2/26: 6 %) Geschäftslage. „Nach der fragilen Erholung im ersten Halbjahr bleibt der erwartete Aufschwung aus. Die Stimmung in unseren Betrieben stagniert und Produktion und Investitionen kommen nicht in Schwung. Die anhaltende Unsicherheit bremst damit den erhofften konjunkturellen Aufbruch“, erklärt IV-Tirol-Präsident Max Kloger.
Auftragslage ohne Wachstumsimpulse
Auch bei der Auftragslage zeigt sich eine deutliche Verschiebung hin zur Mitte. 45 Prozent der Unternehmen bewerten ihren Auftragsbestand als „durchschnittlich“ (Q2/26: 19 %), 31 Prozent als „gut“ (Q2/26: 45 %) und 24 Prozent als „schlecht“ (Q2/26: 36 %). Ähnlich ist die Stimmung im Auslandsgeschäft. Der Anteil der Unternehmen mit „guten“ Auslandsaufträgen sinkt auf 33 Prozent (Q2/26: 43 %), gleichzeitig geht der Anteil der „schlechten“ Bewertungen auf 26 Prozent zurück (Q2/26: 42 %). Demgegenüber steigt die durchschnittliche Bewertung deutlich auf 41 Prozent (Q2/26: 15 %).
Beschäftigung unter Druck
Am deutlichsten wird die Vorsicht der Unternehmen bei der Beschäftigungserwartung. 44 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden drei Monaten mit einem rückläufigen Beschäftigtenstand (Q2/26: 23 %). Zurückhaltung wird auch in der Produktionstätigkeit sichtbar. Nur noch 19 Prozent der Betriebe erwarten in drei Monaten eine steigende Produktion (Q2/26: 22 %) und 20 Prozent einen Rückgang (Q2/26: 8 %). 61 Prozent rechnen mit einer „durchschnittlichen“ Entwicklung (Q2/26: 70 %). Beim Verkaufspreis rechnen nur noch 4 Prozent in den nächsten drei Monaten mit „guten“ Preisen (Q2/26: 27 %).
Wachstumsaussichten trüben sich ein
Die aktuelle Stimmungslage in der Tiroler Industrie deckt sich auch mit der Konjunkturprognose der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW), die im Auftrag der IV Tirol erstellt wurde. Diese sieht Tirols Wachstum im Vergleich zum Österreichtrend stagnieren. Die Prognose für das reale Tiroler Bruttoregionalprodukt wurde von bislang +1,0 % auf +0,9 % zurückgenommen, während für ganz Österreich 2027 mit einem Wachstum von 1,3 % gerechnet wird. Die erwartete Dynamik fällt für Tirol damit etwas schwächer aus als zuletzt angenommen. Dennoch bleibt die Tiroler Industrie eine wesentliche Stütze der regionalen Konjunktur. Für die Industrie einschließlich Bau wird 2027 ein reales Wachstum von +1,6 % erwartet. Ohne Bau liegt die Wachstumsprognose für die Kernindustrie sogar bei +1,8 %.
Jetzt Rahmenbedingungen für Aufschwung schaffen
„Damit unsere Industriebetriebe verlorene Marktanteile zurückgewinnen können, muss Österreich seine Wettbewerbsnachteile endlich abbauen“, fordert IV-Tirol-Präsident Max Kloger. Wie dringend das ist, zeigt die Entwicklung der Arbeitskosten: Laut Europäischer Kommission stiegen die nominellen Lohnstückkosten in Österreich zwischen 2022 und 2025 um rund 21 Prozent – laut OeNB sechs Prozentpunkte stärker als im Euroraum. „Die Bundesregierung muss endlich an mehreren Stellen gleichzeitig handeln: Die angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten konsequent umsetzen, Industriestrompreis und Strompreiskompensation rasch und unbürokratisch wirksam machen und Investitionen durch bessere Abschreibungsmöglichkeiten erleichtern. Gleichzeitig braucht es spürbaren Bürokratieabbau statt neuer Belastungen durch nationales Gold Plating, wie beim geplanten Klimagesetz, das Österreich bereits 2040 und damit zehn Jahre vor dem EU-Ziel zur Klimaneutralität verpflichten soll. Auch die Inflation muss nachhaltig sinken, damit sich der Kostendruck bei den kommenden KV-Verhandlungen nicht weiter verschärft. Unsere Betriebe brauchen wieder international wettbewerbsfähige Bedingungen, um zu investieren, zu wachsen und langfristig Arbeitsplätze und Wohlstand in Tirol zu sichern“, appelliert IV-Tirol-Präsident Max Kloger.
Anmerkung: Der Geschäftsklimaindex ist der Mittelwert aus der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage und jener der in sechs Monaten erwarteten Geschäftslage.


