Die IV Tirol setzt sich für den Bau eines Güterterminals im Tiroler Unterland ein. Die aktuelle Mitgliederbefragung liefert dafür ein konkretes Argument: Bereits aus den eingegangenen Rückmeldungen ergibt sich ein zusätzliches Verlagerungspotenzial von mehr als 250.000 Tonnen pro Jahr.
Im September befragte die IV Tirol 96 transportrelevante Mitgliedsunternehmen; 35 Rückmeldungen wurden registriert. 15 von 27 Unternehmen, die die Frage nach einer stärkeren Schienennutzung beantworteten, könnten bei passenden Rahmenbedingungen mehr Güter auf der Schiene transportieren. Besonders deutlich fällt die Rückmeldung der großen Verlader aus: Alle acht antwortenden Unternehmen mit mehr als 25.000 Tonnen jährlichem Transportvolumen nutzen bereits heute die Bahn. Sieben davon könnten ihren Schienenanteil weiter erhöhen.
Unternehmen sehen Potenzial für mehr Schienentransporte
Die Rückmeldungen zeigen: Es gibt Gütermengen, die bei passenden Bedingungen auf die Schiene verlagert werden könnten. Allein fünf Unternehmen nennen jeweils mehr als 50.000 Tonnen jährlich. Sechs weitere sehen mögliches Potenzial, können dessen Umfang derzeit aber noch nicht abschätzen. Diese Angaben stammen ausschließlich von den Unternehmen, die auf die Umfrage geantwortet haben. Das Potenzial aller IV-Mitglieder oder sämtlicher Industrieunternehmen in Tirol ist damit nicht vollständig erfasst. Auch mögliche Verlagerungspotenziale aus dem Handel und anderen Branchen sind in den Ergebnissen nicht abgebildet. Für die IV Tirol sind die Ergebnisse ein klares Argument, die Möglichkeiten für den Gütertransport auf der Schiene auszubauen.
Damit die Unternehmen diese Möglichkeiten auch nutzen, muss das Angebot im Alltag überzeugen. Lange Transport- und Umschlagszeiten, hohe Kosten und mangelnde Verlässlichkeit zählen zu den häufigsten Hemmnissen. Ein Terminal allein bringt deshalb noch nicht für jeden Betrieb eine Verbesserung. Entscheidend sind passende Verbindungen, kurze Laufzeiten und wettbewerbsfähige Gesamtkosten. Wie viele der genannten Gütermengen tatsächlich über ein Terminal abgewickelt werden können, hängt auch von diesen Voraussetzungen ab.
Potenzial über Tirol hinaus
Für den erfolgreichen Betrieb eines Terminals im Tiroler Unterland sollte der Blick über die Tiroler Wirtschaft hinausgehen. Auch Güter, die in seinem erweiterten Einzugsgebiet produziert oder dorthin geliefert werden, bieten Potenzial für eine Verlagerung auf die Schiene. Das betrifft sowohl Tiroler als auch bayerische Unternehmen. Tirols Lage am Scandinavian–Mediterranean Corridor des europäischen TEN-T-Netzes bietet dafür einen Ansatzpunkt. Ein Terminal mit Möglichkeiten zum Verschub sowie zur Zusammenstellung und Abfertigung von Ganzzügen kann Transporte aus mehreren Regionen bündeln und mit grenzüberschreitenden Bahnverbindungen verknüpfen.
Die IV Tirol spricht sich dafür aus, das Potenzial des gesamten Einzugsgebiets von Beginn an in die Planung und das Betriebskonzept des Terminals einzubeziehen. Neben den ÖBB kommen dabei auch private Terminalbetreiber und private Eisenbahnverkehrsunternehmen als Partner infrage. Ein Terminal im Tiroler Unterland ermöglicht den Unternehmen, ihre Güter direkt in der Region auf die Schiene zu verladen, und wird durch die Verlagerung von Lkw-Transporten auch das Straßennetz im Inntal und über den Brenner entlasten.
Unterstützung beim Branchentag
Die Ergebnisse brachte IV-Tirol-Geschäftsführer Michael Mairhofer bereits beim Branchentag der Tiroler Transporteure und Logistiker am 3. Oktober bei BERGERecotrail in Radfeld in die Diskussion ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Initiative Grüner Brenner, der Terminalausbau in Tirol und die Transitklage Italiens. Mairhofer verwies dabei auf die Bereitschaft der Industrie, mehr Güter über die Schiene abzuwickeln, und auf die dafür notwendigen Kapazitäten und Transportangebote.
Zum Terminalthema diskutierten mit ihm Michael Riedhart, Bürgermeister der Gemeinde Wörgl, Bernhard Ebner von der ERA Group, Spezialist für Supply Chain Management, Frachtkosten und Logistik, sowie Karl Fischer, Experte für Logistik und Projektmanagement. Der Tenor war eindeutig: Ein Terminal im Tiroler Unterland, konkret im Raum Wörgl, ist sinnvoll. Die IV Tirol tritt für dessen Bau ein, um den Unternehmen leistungsfähige Möglichkeiten für den Schienentransport zu eröffnen und das vorhandene Verlagerungspotenzial zu erschließen.


