Beim traditionellen Sommerfest der IV Tirol am Achensee zog IV-Tirol-Präsident Max Kloger eine klare Bilanz: Die Industrie trägt Tirols Wachstum, während Österreich im internationalen Standortvergleich zurückfällt. Kloger fordert niedrigere Arbeits- und Energiekosten sowie Reformen bei Pensionen und Verwaltung.
Der Tiroler Sommer zeigte sich am Donnerstagabend noch einmal von seiner schönsten Seite. Rund 180 Gäste feierten bei bestem Wetter und mit Blick auf den Achensee das Sommerfest der IV Tirol bei Entners am See. Der traditionelle Sommerabschluss der Tiroler Industrie brachte Menschen zusammen, die an unterschiedlichen Stellen Verantwortung für Tirol übernehmen – Unternehmerinnen und Unternehmer ebenso wie Vertreter aus Politik, Medien, Wissenschaft und Kultur.
Auftrag an die Politik
Mit dem Sommerfest beginnt für die IV Tirol traditionell die politische Arbeit im Herbst. Präsident Max Kloger nahm den Abend zum Anlass für eine wirtschaftspolitische Standortbilanz: „Unsere Industriebetriebe bringen alles mit, um sich international zu behaupten. Der Standort hält mit ihrer Qualität nicht mehr Schritt. Die Unternehmen senken Kosten, automatisieren und digitalisieren – sie tun, was sie selbst beeinflussen können. Jetzt muss die Politik jene Nachteile abbauen, die kein einzelner Betrieb korrigieren kann“, betonte Kloger.
Auch Landeshauptmann Anton Mattle unterstrich in seinen Grußworten die Bedeutung der Industrie für Tirol. Mit Blick auf die schwierige Lage würdigte er den Mut und das Engagement, mit denen die Unternehmen weiterarbeiten und investieren. Aufgabe der Politik sei es, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. „Sie sind tatsächlich eine tragende Säule der Tiroler Wirtschaft, eine tragende Säule auch des Tiroler Wohlstands“, sagte Mattle.
Industrie trägt Tirols Wachstum
Trotz hoher Kosten und geschwächter Wettbewerbsfähigkeit bleibt die Tiroler Industrie ein zentraler Wachstumsmotor. Eine im Auftrag der IV Tirol erstellte Konjunkturprognose der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung erwartet für 2026 in der Industrie ohne Bau ein reales Plus von 1,6 Prozent, für die Tiroler Gesamtwirtschaft hingegen nur 0,6 Prozent. Der Geschäftsklimaindex der IV Tirol dämpft diesen Ausblick jedoch: Er sank für das 2. Quartal 2026 von 33 auf 24 Punkte. Die Auftragslage hat sich verbessert, die Erwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich jedoch deutlich eingetrübt.
Österreich fällt im Standortvergleich zurück
Der Wettbewerbsdruck reicht weit über die aktuelle Konjunkturlage hinaus. Österreich ist im IMD World Competitiveness Ranking innerhalb von vier Jahren von Rang 20 auf Rang 29 zurückgefallen. Eurostat-Daten zufolge stiegen die nominellen Lohnstückkosten in Österreich zwischen 2022 und 2025 um rund 21 Prozent – sechs Prozentpunkte stärker als im Euroraum. Wie weit dieser Druck bereits in unternehmerische Entscheidungen hineinreicht, zeigt eine aktuelle österreichweite Befragung unter 270 Industrieunternehmen. 82 Prozent planen weitere Kosten- und Effizienzprogramme. Gleichzeitig halten 43 Prozent eine teilweise Verlagerung von Produktion oder Fertigung in den kommenden drei bis fünf Jahren für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich. Von diesen Unternehmen nennen 96 Prozent die Personal- und Lohnkosten als einen der wichtigsten Gründe.
Entlastungen greifen zu kurz
Vor diesem Hintergrund forderte Kloger einen Reformkurs, der Entlastungen mit Strukturreformen verbindet. Der angekündigte Industriestrompreis und die für 2028 vorgesehene Senkung des FLAF-Beitrags gehören zu den Maßnahmen, die die IV seit Langem fordert. Sie müssen die Betriebe tatsächlich erreichen und dürfen nicht durch neue Belastungen wieder aufgezehrt werden. Den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit können sie allein nicht umkehren. Österreichs Steuer- und Abgabenquote liegt 2025 bei 43,9 Prozent. Bis 2028 werden 44,4 Prozent prognostiziert – der höchste Wert seit 30 Jahren. Um diesen Trend zu drehen, muss der Staat seine großen Ausgabentreiber – allen voran das Pensionssystem – in den Griff bekommen. Nur dann kann die Abgabenlast dauerhaft sinken und wieder mehr Spielraum für Leistung, Beschäftigung und Investitionen entstehen.
Tirol kann vorangehen
Kloger drängte bei der Entbürokratisierung auf mehr Tempo, denn langwierige Verfahren verzögern Investitionen und bremsen das Wachstum. Der laufende Tirol-Konvent setzt hier an. Die vom Land Tirol unter Einbeziehung der IV Tirol und der Wirtschaftskammer Tirol entwickelte digitale Verfahrensplattform wird bei der Bezirkshauptmannschaft Schwaz in gewerblichen Betriebsanlagenverfahren erprobt; erste Rückmeldungen zeigen, dass die Verfahren bereits schneller und effizienter ablaufen. Technik allein genügt allerdings nicht. In der Verwaltung braucht es einen grundlegenden Wandel – vom Verhinderer zum Unterstützer industrierelevanter Projekte.
Aus der Standortbilanz des Abends leitete Kloger den Maßstab für die kommenden Monate ab: „Wir haben in Tirol oft genug bewiesen, was möglich ist, wenn unternehmerische Kraft und politische Verantwortung zusammenkommen. Daran wollen wir anknüpfen. Dann wird aus unserer Stärke wieder ein Vorsprung – und unser Industriestandort kommt dorthin, wo er hingehört: ganz nach vorne.“


