2025 wurde am Tiroler Hochschulstandort ein zentrales Defizit sichtbar: Es fehlt nicht an wissenschaftlicher Qualität, sondern an einer verbindlichen strategischen Agenda, die Forschung, industrielle Bedarfe und standortpolitische Ziele auf gemeinsame Prioritäten ausrichtet und daraus belastbare Transferstrukturen macht.
Tirol ist als Forschungsstandort gut aufgestellt, gerade in der Grundlagenforschung und in einzelnen Stärkefeldern mit hoher Sichtbarkeit. Genau daraus ergab sich aber ein klarer Auftrag für 2025: Die vorhandene Qualität muss stärker auf Transfer, Koordination und wirtschaftliche Anwendung ausgerichtet werden. Die IV Tirol setzte an dieser Stelle an, brachte die Perspektive der Betriebe in die Debatte ein und drängte darauf, dass der Hochschulstandort nicht nur aus einzelnen Initiativen besteht, sondern strategisch geführt wird.
Evaluierung als Standortsignal
Ein wichtiger Bezugspunkt des Jahres war die Evaluierung des Tiroler Hochschulstandorts. Die IV Tirol brachte ihre Sicht bereits in vorbereitende Gespräche und Workshops ein und nutzte die Ergebnisse 2025 für die weitere Positionierung. Die Analyse bestätigte mehrere Punkte, die für dieses Leitprojekt entscheidend sind: Es braucht einen regelmäßigen und institutionalisierten Austausch zwischen Hochschulen, Land und Wirtschaft, eine gestärkte Hochschulkonferenz sowie eine klarere politische Sichtbarkeit der Stärken des Standorts. Gleichzeitig zeigte die Evaluierung auch, dass sich keine eindeutigen zentralen Forschungsthemen für Tirol ableiten lassen. Genau darin lag 2025 der entscheidende Befund. Am Standort gibt es zahlreiche gute Ansätze, aber zu wenig gemeinsame Prioritätensetzung und zu wenig strategische Führung.
Bedarfe sichtbar gemacht
Vor diesem Hintergrund wurde 2025 die Umfrage zur Research Landscape 2030 durchgeführt. Ziel war es, jene Forschungsthemen zu bündeln, die aus Sicht der Tiroler Industrie bis 2030 besondere Relevanz haben. Die Ergebnisse wurden an die Rektorate der Hochschulen übermittelt. Genau dort wurde aber auch eine Schwäche des Standorts sichtbar: Die Bedarfslage der Betriebe wurde erhoben und adressiert, der nächste Schritt in Richtung gemeinsamer Agenda, verbindlicher Vertiefung oder strukturierter Folgemaßnahmen blieb jedoch aus. Für das Leitprojekt war das ein zentrales Signal. Der Bedarf an abgestimmter Weiterentwicklung ist klar benannt, doch zwischen Erkenntnis und Umsetzung fehlt bislang ein belastbarer Mechanismus. 2025 diente damit vor allem dazu, den Handlungsdruck sichtbar zu machen und die Diskussion auf eine konkretere Grundlage zu stellen.
Fehlende Agenda, offene Strukturfragen
Besonders deutlich wurde die Lage im Austausch mit den Vorsitzenden der Tiroler Hochschulkonferenz. Das Gespräch schuf mehr Transparenz über bestehende Netzwerke, Formate und Zuständigkeiten. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass keine gemeinsam getragene Hochschulagenda vorliegt und von Hochschulseite kein klar erkennbarer Impuls besteht, diese verbindlich anzugehen. Die IV Tirol leitete daraus konkrete Anliegen ab: eine stärkere Anschubfunktion und Beteiligung an der Hochschulkonferenz, die Prüfung einer Wiederaufnahme von Kompetenzdatenbank und Gerätebörse sowie eine engere Abstimmung in der Öffentlichkeitsarbeit. Der strategische Punkt geht jedoch weiter. Solange gemeinsame Ziele, Zuständigkeiten und Forschungsschwerpunkte unscharf bleiben, fehlt dem Standort ein verlässlicher Rahmen für Transfer, Kooperation und wirtschaftliche Anwendung von Forschung. Auch die neuerlichen Diskussionen rund um die UMIT machten 2025 deutlich, dass offene Strukturfragen nicht abstrakt bleiben.
Kooperationen bleiben wichtig
Bei den Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirtschaft zeigte sich 2025 ein differenziertes Bild. An der Universität Innsbruck nahm die Zahl der Direktbeauftragungen durch Tiroler Unternehmen gegenüber 2024 leicht zu, während geförderte Projekte mit Unternehmen als Partner zurückgingen. Am Management Center Innsbruck wurde die Kooperationslage insgesamt als tragfähig beschrieben. An der FH Kufstein sank die Zahl der F&E-Kooperationen mit Tiroler Unternehmen von 32 im Jahr 2024 auf 19 im Jahr 2025. Vor allem KMU agierten im F&E-Bereich zurückhaltender, während größere Unternehmen stabilere Partner blieben. Für die IV Tirol unterstreicht das den Kern des Leitprojekts: Kooperation entsteht nicht allein durch vorhandene Einrichtungen, sondern durch klare Themen, verlässliche Schnittstellen und einen Rahmen, der den Nutzen für die Betriebe rasch sichtbar macht. Noch 2025 wurde daher ein weiterführender Austausch mit Hochschulpartnern in der EUREGIO für 2026 vorbereitet.
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KPI-Check 2025:
- Entwicklung der F&E-Quote Tirols und relevanter F&E-Kennzahlen gemäß der F&E-Erhebung der Statistik Austria (alle zwei Jahre)
Status 2025: Für 2025 lag laut vorliegenden Angaben kein neuer Einzelwert vor; zuletzt wurde für 2023 eine F&E-Quote von rund 2,97 % genannt.
- Anzahl von Kooperationsprojekten der Tiroler Hochschulen mit der Tiroler Industrie
Status 2025: An der Universität Innsbruck lagen Auswertungen zu Projekten mit Tiroler Unternehmen vor, jedoch ohne Branchendifferenzierung für die Tiroler Industrie. Bei Direktbeauftragungen bzw. drittmittelfinanzierten Projekten zeigte sich 2025 ein leichter Anstieg, bei Projekten mit Tiroler Unternehmen als Partner ein Rückgang. Am Management Center Innsbruck wurde die Kooperationslage insgesamt als stark eingeschätzt, zugleich gingen Direktbeauftragungen und Drittmittelprojekte zurück, während geförderte Kooperationen zunahmen. KMU agierten zurückhaltender, größere Unternehmen blieben als Kooperationspartner stabiler.
- Mitteleinwerbung und Anzahl der Tiroler Industrieunternehmen, die an kooperativen Forschungsstrukturen beteiligt sind (z.B. COMET-Zentren, Josef-Ressel-Zentren, CD-Labore)
Status 2025: Nicht ermittelt.
- RCI-Indikatoren: Patentanmeldungen, Marken- und Designmusteranmeldungen
Status 2025: RCI für 2025 nicht erhoben
- RCI-Indikator: Anzahl der innovierenden KMUs, die aktive Kooperationen betreiben
Status 2025: RCI für 2025 nicht erhoben
- RCI-Indikator: Unternehmen, die Marketing- oder organisatorische Innovationen umgesetzt haben
Status 2025: RCI für 2025 nicht erhoben

