Was macht einen erfolgreichen Industriestandort innovativ – und was lässt sich daraus für Tirol mitnehmen? 20 Funktionäre der IV Tirol gingen dieser Frage bei der Technologiereise 2026 in der Schweiz nach – mit Besuchen bei Industrie- und Technologieunternehmen, Forschungseinrichtungen und im Austausch über wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Die Technologiereisen der IV Tirol führen bewusst an Standorte, an denen neue Technologien entwickelt, industrielle Lösungen umgesetzt und unterschiedliche Zugänge zu Innovation sichtbar werden. Vom 7. bis 9. September bot die Schweiz dafür Einblicke in hochspezialisierte Produktion, Pharma, KI und Robotik ebenso wie in das Zusammenspiel von Forschung und Industrie.
Spezialisiert produzieren
Schon die ersten Besuche bei Hilti in Thüringen und ABB in Untersiggenthal zeigten, wie stark industrielle Spitzenproduktion von Spezialisierung und Fachwissen geprägt ist. Bei Hilti werden komplexe Geräte in vielen einzelnen Arbeitsschritten gefertigt, bei ABB entstehen hochspezialisierte Komponenten in sehr kleinen Losgrößen. Auffällig war an beiden Standorten die Bedeutung hochqualifizierter Mitarbeiter und ihres Know-hows: Technologische Stärke zeigt sich hier nicht nur in Automatisierung, sondern ebenso in Erfahrung und Präzision. Beim Austausch mit economiesuisse rückten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen der Schweiz in den Mittelpunkt. Diskutiert wurden unter anderem Bürokratie und Regulierung, hohe Lohnnebenkosten bei gleichzeitig niedrigen Steuern sowie die außenwirtschaftliche Ausrichtung der Schweiz, etwa das Freihandelsabkommen mit China. Auch die Rolle der Kurzarbeit als ökonomischer Stabilisator und pragmatische Ansätze im Umgang mit wirtschaftlichen Veränderungen waren Thema.
Innovation vernetzen
Der Novartis Campus in Basel machte die internationale Dimension eines Unternehmens greifbar, das auch für den Industriestandort Tirol große Bedeutung hat. Am globalen Hauptsitz ließen sich Geschichte und Entwicklung von Novartis konzentriert nachvollziehen. Zugleich wurde erlebbar, wie eng Forschung, Entwicklung und Innovation am Pharmastandort Basel zusammenwirken. Bei Google stand der Austausch über aktuelle technologische Entwicklungen im Mittelpunkt – von künstlicher Intelligenz und Rechenzentren bis zur Frage, welche Rolle Europa in dieser Entwicklung spielen kann. An der ETH Zürich ging es um aktuelle Entwicklungen in der Robotik. Vieles, was derzeit etwa über Robot Games auf Social Media Aufmerksamkeit erhält, ist noch nicht praxisreif. Im praktischen Einsatz kommt es darauf an, Roboter als Maschinen und Werkzeuge zu verstehen und dort einzusetzen, wo sie konkreten Nutzen bringen.
Technologien erproben
Wie neue Technologien in die Anwendung kommen können, zeigte NEST in Dübendorf. In dem Reallabor für die Zukunft des Bauens werden neue Ansätze gemeinsam von Forschung und Industrie erprobt. Im Mittelpunkt der Besichtigung standen Kreislaufwirtschaft sowie neue Materialien und Produktionsweisen. Bei IWC in Schaffhausen zeigte sich, wie sich traditionelles Handwerk und moderne Hightechfertigung verbinden lassen. Hohe Fertigungstiefe und Präzision prägen die Produktion ebenso wie ein außergewöhnlicher Anspruch an Sauberkeit. Gleichzeitig bleibt die emotionale Seite der Uhrmacherei ein wesentlicher Teil des Produkts und seiner Herstellung. Den Abschluss der Reise bildete Georg Fischer. Der weltweit tätige Industriekonzern verbindet mehr als 200 Jahre Geschichte mit hochautomatisierter Produktion und laufender Innovation. Rohrsysteme werden an Standorten weltweit gefertigt; besonders stark wächst derzeit der Bereich Kühlsysteme für Rechenzentren.
„Was ich aus diesen Tagen besonders mitnehme: Die Schweiz akzeptiert Veränderung, statt lange am Vergangenen festzuhalten. Man fragt sehr schnell: Was können wir unter den neuen Bedingungen tun? Und dann wird umgesetzt. Genau diese Haltung ist für einen erfolgreichen Industriestandort entscheidend“, fasst IV-Tirol-Geschäftsführer Michael Mairhofer die Eindrücke der Reise zusammen.


