Die Präsidien der IV Tirol und des Unternehmerverbandes Südtirol berieten am 3. September in Innsbruck über die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Industriestandorte und konkrete Ansätze zur Verbesserung der Standortbedingungen. Ihre Zusammenarbeit stärken sie mit einem jährlichen gemeinsamen KI-Forum, abwechselnd in Nord- und Südtirol.
Hohe Arbeits- und Energiekosten, Bürokratie und knappe Betriebsflächen stellen Industrieunternehmen in Tirol und Südtirol vor ähnliche Herausforderungen. Wie beide Regionen darauf reagieren, war Gegenstand der gemeinsamen Präsidiumssitzung mit den Präsidenten Max Kloger und Alexander Rieper. Auf Tiroler Seite nahmen außerdem Vizepräsidentin Gabriele Punz-Praxmarer, die Vizepräsidenten Eduard Fröschl und Simon Meinschad sowie Geschäftsführer Michael Mairhofer teil. Auf Südtiroler Seite waren Vizepräsidentin Katrin Höller, Vizepräsident Markus Kofler, Stefan Barbieri, Thomas Brandstätter und Direktor Mirco Marchiodi vertreten.
Industriestandorte langfristig stärken
Den strategischen Rahmen bilden das Strategische Aktionsprogramm der Tiroler Industrie 2030 und die Agenda Südtirol 2025–2029. Beide setzen dort an, wo Wettbewerbsfähigkeit konkret entschieden wird: bei schnelleren Verfahren, Fachkräften, Energie, Infrastruktur sowie Forschung und Innovation. Die IV Tirol bündelt dafür 24 Leitprojekte mit dem Ziel, Tirol bis 2030 unter die 20 wettbewerbsfähigsten Industrieregionen Europas zu bringen. Der Unternehmerverband Südtirol nutzt mit seiner Agenda gezielt die Gestaltungsmöglichkeiten der Autonomie, um Investitionen zu erleichtern und den Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln. Die Präsidien tauschten sich darüber aus, welche Ansätze sich auch für die jeweils andere Region nutzen lassen, und vertieften den Vergleich anschließend bei konkreten Standortfragen wie Flächen, Fachkräften und Energie.
Entwicklung am Standort ermöglichen
Damit Unternehmen am Standort investieren und wachsen können, brauchen sie geeignete Flächen und qualifizierte Arbeitskräfte. Die Präsidien besprachen deshalb, wie sich betriebliche Erweiterungen langfristig absichern lassen. Die IV Tirol stellte ihr Konzept für Vorsorgeflächen vor, der Unternehmerverband brachte Erfahrungen mit Südtiroler Gewerbegebieten ein. Ein zentraler Ansatz ist die Abstimmung der Flächenplanung über Gemeindegrenzen hinweg.
Auch bei der Fachkräftegewinnung stehen beide Regionen vor ähnlichen Aufgaben. Das von der IV Tirol mitgetragene Welcome Service unterstützt internationale Fachkräfte und ihre Familien beim Ankommen. Der Unternehmerverband Südtirol plant ein vergleichbares Angebot. Mit F.I.T. – Fachkräfte für Innovation und Technik wurde zudem ein Tiroler Projekt zur gezielten Fachkräftegewinnung im In- und Ausland diskutiert. Eine gemeinsame Herausforderung bleibt der Wohnraum: Knappe und teure Wohnungen erschweren es Unternehmen in beiden Regionen, Fachkräfte zu gewinnen.
Energieversorgung und Planungssicherheit
Bei der Energieversorgung standen der geplante österreichische Industriestrompreis und der Ausbau erneuerbarer Energien in Südtirol im Mittelpunkt. Zum Zeitpunkt der Sitzung waren zentrale Eckpunkte der österreichischen Förderung noch nicht festgelegt. Für die Unternehmen ist rasche Klarheit über Ausgestaltung und Zugang wichtig, damit sie ihre Energiekosten verlässlich kalkulieren können.
Der Unternehmerverband stellte eine Bevölkerungsbefragung vor, die mehrheitliche Zustimmung zum weiteren Ausbau erneuerbarer Energieträger und zu Speicheranlagen zeigte. Als wesentliche Vorteile nannten die Befragten günstigere Strompreise und eine größere Unabhängigkeit von Energieimporten. Auch eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren fand mehrheitliche Unterstützung.
KI aus der Praxis
Zum Abschluss beschlossen die Präsidien der IV Tirol und des Unternehmerverbandes Südtirol gemeinsam, künftig einmal jährlich ein KI-Forum zu veranstalten – abwechselnd in Nord- und Südtirol. Das Format soll Unternehmen Einblicke in konkrete Anwendungen geben und den Erfahrungsaustausch über den Einsatz künstlicher Intelligenz fördern. So wird betriebliche Erfahrung über die Landesgrenzen hinweg für andere Unternehmen nutzbar.


