Auf Vermittlung von Honorarkonsul Alois Schranz besuchte Botschafter Toufique Hasan das Tiroler Haus der Industrie. Der Austausch führte von der Vorstellung des Industriestandorts Tirol über die wirtschaftliche Entwicklung Bangladeschs bis zu möglichen Kontakten zwischen Unternehmen, Fragen der Qualifizierung und industriellem Know-how.
Der Besuch der diplomatischen Vertreter von Bangladesch bot Gelegenheit zu einem breit angelegten Gespräch über Industrie, Ausbildung, Fachkräfte und internationale Zusammenarbeit. Botschafter Toufique Hasan und Counsellor Muhammad Ziadul Islam Chowdhury erhielten Einblicke in jene Faktoren, die den Industriestandort Tirol erfolgreich machen: spezialisierte Betriebe, technisches Know-how, Exportorientierung und eine enge Verbindung von Produktion, Ausbildung und unternehmerischer Verantwortung. Bangladesch präsentierte sich zugleich als Land mit junger Bevölkerung, wachsender industrieller Basis und großem Interesse an wirtschaftlicher Vernetzung.
Tirols Industrie aus mehreren Perspektiven
Zu Beginn gab IV-Tirol-Geschäftsführer Michael Mairhofer einen Überblick über die Rolle der Industriellenvereinigung Tirol und die Struktur des Industriestandorts. Er zeigte, wie stark Tirol von international tätigen Unternehmen, hoher Spezialisierung und einer industriellen Basis getragen wird, die weit über einzelne Leitbetriebe hinausreicht.
IV-Tirol-Vizepräsident Eduard Fröschl zeigte, welche Standortfaktoren Tirols industrielle Entwicklung geprägt haben: Wasserkraft, Infrastruktur, unternehmerische Spezialisierung und die frühe Orientierung über den regionalen Markt hinaus. Tirol war nie ein Standort für industrielle Masse, sondern für Betriebe, die aus begrenztem Raum, technischer Kompetenz und hoher Produktqualität wettbewerbsfähige Nischen entwickelt haben. Vor allem Tirols familiengeführte Industrieunternehmen produzieren heute für internationale Märkte und halten Entwicklung, Fertigung, Know-how und unternehmerische Entscheidungen bewusst am Standort.
Die Perspektive aus der betrieblichen Praxis brachte IV-Tirol-Vizepräsidentin Gabriele Punz-Praxmarer ein. Sie stellte jene Faktoren in den Vordergrund, die viele Tiroler Industrieunternehmen über Generationen geprägt haben: technologische Kompetenz, gut ausgebildete Beschäftigte, langfristiges unternehmerisches Denken und eine enge Bindung an den Standort. Am Beispiel industrieller Produktion wurde sichtbar, wie Betriebe durch Qualität, Erfahrung, Kreislaufwirtschaft und konsequente Weiterentwicklung in spezialisierten Märkten wettbewerbsfähig bleiben.
Auch die Holzindustrie wurde als konkretes Beispiel für industrielles Know-how aus Tirol eingebracht. Georg Marberger, Unternehmer in der Holzbranche und Interessenvertreter, gab einen Einblick in die Bedeutung von Holz als Werkstoff, industrielles Produkt und technisches Anwendungsfeld. Besonders bei Holzbau, Möbelproduktion und Verarbeitung wurden Themen sichtbar, die für einen weiteren Austausch mit Bangladesch interessant sein können.
Fachkräfte, Ausbildung und Sprache
Im Gespräch stellte Botschafter Hasan Bangladesch als wirtschaftlich dynamisches Land mit wachsender industrieller Basis vor. Angesprochen wurden unter anderem Textilindustrie, Pharma, Leder, Jute, Keramik, Möbelproduktion und wirtschaftliche Entwicklungszonen. Ein besonderer Fokus lag auf der Frage, wie Ausbildung, Sprachqualifikation und internationale Beschäftigungsmöglichkeiten besser miteinander verbunden werden können. Für Tiroler Betriebe ist dabei die praktische Vorbereitung entscheidend. Qualifikation, Deutschkenntnisse und betriebliche Anforderungen müssen früh zusammengedacht werden, damit Beschäftigung, Integration und Arbeitssicherheit im Alltag funktionieren. Gerade hier kann ein vertiefter Austausch helfen, Erwartungen zu klären, mögliche Wege zu prüfen und Unternehmen mit passenden Partnern ins Gespräch zu bringen.
Interesse an weiteren Gesprächen
Im Austausch wurde deutlich, dass Bangladesch großes Interesse daran hat, die wirtschaftlichen Beziehungen mit Österreich weiter auszubauen. Botschafter Hasan regte auch an, die Möglichkeit einer österreichischen Delegation nach Bangladesch zu prüfen, um Kooperationsfelder vor Ort kennenzulernen und direkte Kontakte zu Unternehmen, Institutionen und wirtschaftlichen Entwicklungszonen herzustellen. Die IV Tirol kann hier eine aktive Brückenfunktion übernehmen: Sie bündelt Interessen der Tiroler Industrie, bringt Unternehmen mit passenden Ansprechpartnern ins Gespräch und ordnet mögliche Kooperationsfelder aus Sicht des Standorts ein. Aus dem ersten Austausch kann damit ein konkreter wirtschaftlicher Dialog entstehen – etwa zu Fachkräftequalifizierung, Sprachvorbereitung, Marktzugang, Investitionen in Special Economic Zones oder industriellem Know-how in Bereichen wie Holzverarbeitung und Möbelproduktion.


