Eine neue IV-Tirol-Umfrage zeigt großes Verlagerungspotenzial bei heimischen Betrieben. Was die Verlagerung bremst, sind die Rahmenbedingungen. Die Schiene muss schneller, zuverlässiger und wirtschaftlich konkurrenzfähiger werden.
Die neuerliche Verzögerung beim Brenner Basistunnel ist eine schlechte Nachricht für die Menschen und Betriebe in Tirol. Die IV Tirol sieht das Jahrhundertprojekt dennoch als die zentrale Chance, den alpenquerenden Güterverkehr stärker auf die Schiene zu verlagern und damit langfristig Bevölkerung, Umwelt und Industrie entlang der Brennerachse zu entlasten.
Mehr als 278.000 Tonnen Verlagerungspotenzial
Laut einer aktuellen Umfrage der IV Tirol ist die Bereitschaft für mehr Schienengüterverkehr auf Seiten der Tiroler Industrie vorhanden. 15 von 27 befragten Unternehmen, die diese Frage beantwortet haben, könnten bei geeigneten Kapazitäten und attraktiven Rahmenbedingungen mehr Güter über die Schiene transportieren. Das entspricht 55,6 Prozent. Daraus ergibt sich ein zusätzliches Verlagerungspotenzial von mehr als 278.000 Tonnen pro Jahr. Das entspricht rechnerisch mehr als 11.000 Lkw-Ladungen pro Jahr beziehungsweise rund 30 Lkw-Ladungen pro Tag bei einer angenommenen Nutzlast von 25 Tonnen.
Die Umfrage zeigt außerdem, dass gerade bei großen Verladern die Schiene bereits etabliert ist. Von acht Unternehmen mit einem jährlichen Gesamttransportvolumen von mehr als 25.000 Tonnen nutzen alle acht bereits die Schiene. Sieben davon geben an, unter attraktiveren Bedingungen ihren Schienenanteil weiter erhöhen zu können.
„Die Tiroler Industrie steht einer stärkeren Verlagerung auf die Schiene nicht im Weg. Im Gegenteil, es gibt konkretes Potenzial für deutlich mehr Schienengüterverkehr. Allerdings muss die Schiene schnell, zuverlässig, planbar und wirtschaftlich konkurrenzfähig sein. Genau hier müssen wir ansetzen“, betont Matthias Danzl, Leiter des EGGER-Werks in St. Johann und IV-Tirol-Verkehrsexperte.
Nicht die Bereitschaft, sondern die Rahmenbedingungen bremsen
Die Hindernisse sind laut Umfrage klar. 63 Prozent der befragten Unternehmen nennen zu lange Transport- beziehungsweise Umschlagszeiten als Hemmnis für eine stärkere Nutzung der Schiene. 40,7 Prozent nennen zu hohe Kosten, 37 Prozent eine zu geringe Planbarkeit beziehungsweise Pünktlichkeit. Jeweils 25,9 Prozent nennen zudem unzureichende Anschlussbahnen, fehlende Frequenzen und zu hohen Dispositionsaufwand. Für die stark exportorientierte Tiroler Industrie sind schnelle und verlässliche Transportwege ein zentraler Standortfaktor. Rohstoffe und Vorprodukte müssen ebenso planbar die Betriebe erreichen wie fertige Waren ihre internationalen Absatzmärkte. Wer Unternehmen zu einer stärkeren Verlagerung auf die Schiene bewegen will, muss deshalb ein Angebot schaffen, das bei Transportzeit, Zuverlässigkeit und Kosten konkurrenzfähig ist.
Der BBT muss vom ersten Tag an funktionieren
„Wir müssen jetzt die erneute Verzögerung nutzen, um entschieden zu handeln. Wenn 2034 die ersten Züge durch den Brenner Basistunnel rollen, müssen auch die notwendigen Rahmenbedingungen für einen leistungsfähigen Schienengüterverkehr vorhanden sein. Dazu gehören neben dem BBT selbst die Unterinntaltrasse, ausreichende Terminalkapazitäten, leistungsfähige Zu- und Abläufe und ein funktionierender, digitalisierter, grenzüberschreitender technischer Betrieb“, fordert Danzl.
Die Bereitschaft der Tiroler Industrie für mehr Güterverkehr auf der Schiene ist vorhanden. Jetzt gilt es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit daraus tatsächliche Verlagerung wird.


