2025 stand beim Leitprojekt zur Verbesserung des ÖPNV vor allem die fachliche Schärfung im Mittelpunkt. Die Tiroler Industrie bereitete die Unternehmensumfrage vor, ordnete die Fernpass-Frage aus Standortsicht ein und arbeitete die Aussagekraft der Verkehrsindikatoren genauer auf. So entstand eine belastbare Grundlage für die nächsten Schritte im Dialog mit Verkehrsverbund Tirol, Landespolitik und regionalen Partnern.
Der Einstieg in das Leitprojekt hat 2025 vor allem eines deutlich gemacht: Ein einheitlicher Ansatz greift für Tirol zu kurz. Zwischen Innsbruck, den Bezirkszentren, Osttirol und dem Außerfern unterscheiden sich Arbeitswege, Taktanforderungen und letzte Kilometer deutlich. Genau diese Unterschiede wurden im Berichtsjahr erstmals systematisch gesammelt, verdichtet und für die weitere Bearbeitung des Themas aufbereitet. Damit rückte nicht die abstrakte Debatte über Verkehr in den Vordergrund, sondern die konkrete Frage, wie Beschäftigte industrielle Standorte im Alltag verlässlich erreichen können.
Betriebsrealität als Ausgangspunkt
Gespräche mit der Wirtschaftskammer Tirol, regionalen Akteuren aus Osttirol und weitere Recherchen bildeten 2025 die Grundlage, um die geplante Unternehmensumfrage fachlich fundiert aufzusetzen. Dabei wurde deutlich, dass sich Erreichbarkeitsprobleme je nach Standort, Arbeitszeitmodell und Betriebsstruktur deutlich unterscheiden. Genau aus dieser Vorarbeit heraus wurde ein erster Fragenkatalog entwickelt, der Arbeitszeiten, Schichtbetrieb, Entfernung zur Haltestelle, Zufriedenheit mit Verbindungen, Abstimmung auf Betriebszeiten sowie bestehende Mobilitätsangebote wie Jobticket, Fahrgemeinschaften, Werksbusse oder Lösungen für den letzten Weg erfasst. Die Umfrage soll im kommenden Jahr ein belastbares Bild darüber liefern, wo die größten Hindernisse liegen, welche Angebote in den Betrieben bereits genutzt werden und welche Maßnahmen aus Sicht der Unternehmen den größten Nutzen bringen würden.
Fernpass als Standortfrage
Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Anbindung des Außerferns. 2025 blieb die Linie maßgeblich, die mit der Stellungnahme zur Fernpassthematik aus 2024 vorgezeichnet wurde: Eine sichere und verlässliche Verbindung zwischen Reutte, Imst und dem Inntal ist für Betriebe und Beschäftigte notwendig. Der Ausbau zentraler Tunnelmaßnahmen wurde daher unterstützt, eine Fernpass-Maut zugleich kritisch eingeordnet, weil sie die Wettbewerbsfähigkeit in Reutte und Imst schwächen würde. Im Umfeld des Fernpass-Pakets wurde gleichzeitig sichtbar, dass auch der Öffentliche Verkehr in die Lösung einbezogen werden muss. Zusätzliche Direktbusverbindungen, Mittel für Haltestellen und angekündigte Verbesserungen im Bahnangebot zeigen, dass die Erreichbarkeit des Außerferns nicht nur eine Straßenfrage ist.
Erreichbarkeit differenziert bewerten
Im Berichtsjahr wurde entsprechend der dritten Maßnahme – Auslotung der Möglichkeiten zur Verbesserung des EU-Indikators „Road Transport Performance“ mit Expertinnen und Experten – genauer untersucht, auf welcher Basis die Ergebnisse des RCI-Indikators „Road Transport Performance“ und des EU-Indikators „Rail Transport Performance“ beruhen und welche Gründe für die schwache Performance maßgeblich sind. Beim RCI-Indikator zur Road Transport Performance wirkt Tirol aus strukturellen Gründen schwächer, weil Topografie, Tälerlage, geringere Bevölkerungsdichte in mehreren Nachbarregionen und die Distanz zu großen Ballungsräumen den Wert drücken. Gleichzeitig zeigen andere Kennzahlen, dass die Erreichbarkeit differenzierter zu bewerten ist. Laut ÖROK ist Tirol im regionalen Öffentlichen Verkehr besser aufgestellt, als es die beiden EU-Indikatoren zunächst vermuten lassen. Nur 5,4 Prozent der Bevölkerung haben im Öffentlichen Verkehr keine Anbindung an ein regionales Zentrum, 66 Prozent erreichen eine Haltestelle innerhalb von 500 Metern. Auch der Zeitnachteil gegenüber dem Motorisierten Individualverkehr fällt beim nächstgelegenen regionalen Zentrum mit plus 51 Prozent geringer aus als im Österreichschnitt. Schwächer ist Tirol bei den Verbindungen zu den überregionalen Zentren. Hier liegt der Unterschied bei plus 49 Prozent und damit über dem österreichischen Durchschnitt. Besonders deutlich zeigt sich das im Bezirk Reutte, wo die Fahrzeit im Öffentlichen Verkehr zum nächsten überregionalen Zentrum um 221 Prozent höher liegt. Die Verbindung gestaltet sich hier sowohl ins Inntal als auch nach Kempten schwierig. Dazu passt auch die Mobilitätsstudie des Landes Tirol: Die Entfernung zur nächsten Haltestelle vom Wohnsitz liegt im Schnitt bei vier Minuten in Innsbruck-Stadt, sechs Minuten in Innsbruck-Land und sieben Minuten im restlichen Tirol. Für die Tiroler Industrie ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: Nicht ein pauschal schwacher Öffentlicher Verkehr ist das Kernproblem, sondern die großen Unterschiede zwischen Zentralraum und peripheren Räumen sowie zwischen regionaler Erschließung und überregionaler Anbindung.
Nächste Schritte
Aus der Grundlagenarbeit des Jahres 2025 ergibt sich ein klarer Arbeitsauftrag für 2026. Die vorbereitete Unternehmensbefragung soll in konkrete Top-10-Anliegen übersetzt werden, damit im Austausch mit Verkehrsverbund Tirol, Landesregierung und weiteren Ansprechpartnern gezielt an Taktung, Erreichbarkeit und betrieblich relevanten Verbindungen gearbeitet werden kann. Parallel dazu bleibt wichtig, regionale Unterschiede sauber abzubilden. Der Handlungsbedarf in Innsbruck ist ein anderer als im Außerfern oder in Osttirol. Gerade deshalb war 2025 ein notwendiges Jahr der Klärung. Es hat die Basis geschaffen, damit aus einem breiten Thema konkrete, standortrelevante Prioritäten werden können.
_____________________________________________________________________________________________
KPI-Check 2025:
- Top-10-Anliegen zur Verbesserung des ÖPNV: Monitoring des Umsetzungsfortschritts
Status 2025: Umfrage an die Unternehmen derzeit in Vorbereitung.
- RCI-Indikator „Road Transport Performance”: Anteil der Bevölkerung, der innerhalb von 1,5 h in einem 120-km-Radius erreichbar ist; Tirol derzeit auf dem 76. und letzten Platz der Industrieregionen; Ziel: Verbesserung auf mind. Platz 50
Status 2025: Neue Bewertungen der Indikatoren werden erst im Sommer 2026 vorliegen. 2025 wurde daher die methodische Grundlage des Indikators genauer untersucht und fachlich eingeordnet, warum Tirol hier strukturell schwach abschneidet.
- EU-Indikator “Rail Transport Performance”: Anteil der Bevölkerung, die mit dem Zug bei optimalen Verbindungen innerhalb von 1,5 h in einem 120-km-Radius erreichbar ist; Tirol derzeit auf dem 31. Platz der 76 Industrieregionen; Ziel: Top-20
Status 2025: Neue Bewertungen der Indikatoren werden erst im Sommer 2026 vorliegen. 2025 stand daher die fachliche Einordnung im Vordergrund, ergänzt um den Vergleich mit anderen Erreichbarkeitsdaten für Tirol.

