Beim Industrieempfang im Gerätewerk Matrei stellte IV-Tirol-Präsident Max Kloger die Industrie als Wohlstandsmotor des Landes in den Mittelpunkt. Österreich muss als Produktionsstandort wieder aufholen – mit fairen Energiepreisen, wettbewerbsfähigen Arbeitskosten, schnelleren Verfahren und einem schlanken Staat.
Wenn Österreich wieder zur ersten Liga der Industrienationen gehören will, muss der Anspruch an der wirtschaftlichen Realität gemessen werden. Laut jüngster EU-Prognose liegt Österreich 2026 bei nur 0,6 Prozent realem Wirtschaftszuwachs; nur Italien und Rumänien schneiden schwächer ab. Beim Industrieempfang der Industriellenvereinigung Tirol am 16. Juni 2026 im Gerätewerk Matrei stellte IV-Tirol-Präsident Max Kloger daher die zentrale Frage: Wie kommt Österreich zurück in die Top-10 der Produktionsstandorte? Die Antwort liegt in den großen Wachstumsbremsen der heimischen Industrie: faire Energiepreise, wettbewerbsfähige Arbeitskosten, schnellere Verfahren und spürbare Entbürokratisierung.
Tirols Industriestärke ist gemeinsame Aufgabe
Landeshauptmann Anton Mattle rückte zum Auftakt den Beitrag der Industrie zu Tirols wirtschaftlicher Entwicklung in den Mittelpunkt. Tirol stehe gut da, weil Unternehmen sich nicht auf vorhandene Stärken verlassen, sondern Produkte weiterentwickeln, neue Chancen suchen und Verantwortung für den Standort übernehmen. Diese wirtschaftliche Stärke zu sichern und weiterzuentwickeln, sei eine gemeinsame Aufgabe von Politik und Wirtschaft. Entscheidend sei dafür auch die enge Zusammenarbeit von Land Tirol und IV Tirol: Probleme müssten offen benannt, Erfahrungen aus den Betrieben ernst genommen und Lösungen aus der Praxis heraus entwickelt werden. Wie konkret dieser Beitrag ist, zeigte der Gastgeberbetrieb selbst: Das Gerätewerk Matrei steht für industrielle Qualität „Made in Tirol“. Komponenten und Lösungen aus Matrei werden weltweit in Produkten eingesetzt. Aus einer Produktivgenossenschaft der Nachkriegszeit ist mit dem Gerätewerk Matrei ein modernes und hochinnovatives Industrieunternehmen geworden, das technische Fertigung im Wipptal hält, Fachkräfte ausbildet und Verantwortung für die Region und ihre Menschen übernimmt.
Industrie schafft Wohlstand für alle
„Das Gerätewerk Matrei macht sichtbar, was Industrie für Tirol bedeutet: Sie schafft Wertschöpfung, gute Einkommen und finanziellen Spielraum für das Land. Rund 15 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung hängen direkt, indirekt und induziert an den produzierenden Betrieben. Das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen in der Industrie liegt bei 67.712 Euro; zugleich sind 7,8 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben mit der Tiroler Industrie verbunden. Wer den Produktionsstandort stärkt, stärkt damit nicht nur Unternehmen, sondern Beschäftigte, Gemeinden und Zukunftschancen in ganz Tirol“, so Kloger.
Wachstumsbremsen lösen
Kloger nannte faire Energiepreise, wettbewerbsfähige Arbeitskosten, schnellere Verfahren und einen schlanken Staat als zentrale Hebel. Das Industriestrompaket für 2027 bis 2029 sei ein wichtiger Schritt; entscheidend sei nun seine Wirkung in der betrieblichen Kostenrechnung. Auch die geplante Senkung des FLAF-Beitrags von 3,7 auf 2,7 Prozent ab 2028 gehe in die richtige Richtung. Entlastung dürfe aber nicht durch neue Belastungen, zusätzliche Pflichten oder Rechtsunsicherheit wieder verloren gehen. „Die Unternehmen zu entlasten ist ein wichtiger und lange erwarteter Schritt. Diese Entlastung muss jetzt spürbar in den Betrieben ankommen. Wenn Unternehmen an anderer Stelle wieder stärker belastet werden, entsteht kein neuer Spielraum für Beschäftigung, Qualifizierung und Wachstum“, erklärte Kloger.
Ein schlanker Staat bedeute für Kloger vor allem eine Verwaltung, die Betriebe beim Umsetzen unterstützt. Der Tirol-Konvent müsse Verfahren schneller, digitaler und einfacher machen. „Wenn ein Unternehmen seinen Standort erweitern, investieren oder ein Energieprojekt umsetzen will, braucht es klare Zuständigkeiten, verbindliche Fristen und eine Verwaltung, die Lösungen sucht. Jetzt zählen konkrete Vereinfachungen, die Betriebe im Alltag spüren“, so Kloger.
Deshalb dürfe Österreich diesen Anspruch auch bei der Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie nicht unterlaufen: gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit ja – aber ohne Gold Plating, neue Kosten, Rechtsunsicherheit und Parallelstrukturen.
Aufholen braucht Wirkung
Für Kloger entscheidet sich der Standortanspruch nicht in Strategien, sondern daran, ob Unternehmen wieder mehr investieren, entwickeln und wachsen können: „Unsere familiengeführten Industrieunternehmen sind tief in ihren Regionen verwurzelt und als Nischen- und Weltmarktführer international erfolgreich. Jetzt geht es darum, ihre Innovationskraft und ihre Wachstumschancen zu stärken. Wenn Österreich wieder zu den besten Produktionsstandorten Europas gehören will, müssen faire Energiepreise, wettbewerbsfähige Arbeitskosten, schnellere Entscheidungen und ein schlanker Staat genau dort wirken: bei Betrieben, die investieren, bleibende Werte schaffen, neue Lösungen entwickeln und mit Produkten aus Tirol in ihren Märkten zur Spitze gehören“, so Kloger abschließend.


