Die 34. F&E-Plattform der IV Tirol war am 14. Oktober 2026 bei der Montanwerke Brixlegg AG zu Gast. Der Besuch zeigte, wie das Tiroler Traditionsunternehmen aus Recyclingmaterial hochwertiges Kupfer gewinnt und dabei Ressourcenschonung, Energieversorgung und industrielle Leistungsfähigkeit verbindet. Neben der Betriebsbesichtigung standen die Forschungsprämie und Entwicklungen im US-Rechenzentrumsmarkt im Mittelpunkt.
Beim Rundgang durch die Produktionsbereiche wurde rasch klar, dass Recycling in Brixlegg kein zusätzlicher Geschäftsbereich ist, sondern das Fundament der Produktion. Montanwerke Brixlegg setzt bei der Kupferherstellung zu 100 Prozent auf Recyclingmaterial. Aus wiederverwertbaren Rohstoffen entsteht so Kupfer, das erneut in industriellen Anwendungen eingesetzt werden kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten Einblick in die Prozesse, mit denen dieser Kreislauf im großen Maßstab funktioniert. Sichtbar wurde dabei vor allem eines: Hinter der Wiederverwertung stehen umfassendes technisches Know-how, präzise Produktionsabläufe und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Verfahren.
Kreislaufwirtschaft mit messbarem Klimavorteil
Kupfer ist ein zentraler Werkstoff für die moderne Industrie. In Brixlegg zeigt sich, wie sich sein Wert möglichst lange im Wirtschaftskreislauf halten lässt. Durch die Verarbeitung von Recyclingmaterial sinkt der Bedarf an neu gewonnenen Rohstoffen, während aus zurückgewonnenem Metall erneut hochwertiges Kupfer für industrielle Anwendungen entsteht. Ressourcenschonung ist damit kein nachgelagerter Zusatz, sondern prägt den gesamten Produktionsprozess. Wie wirksam dieser Ansatz ist, zeigt die CO₂-Bilanz: Die Kupferkathoden der Montanwerke Brixlegg verursachen rund 84 Prozent weniger CO₂-Emissionen als der weltweite Durchschnitt der Primärkupferproduktion. Dazu tragen neben dem Recyclingmaterial auch die betriebliche Energieversorgung mit eigener Wasserkraft und Photovoltaik bei.
Forschung mit Blick über den Standort hinaus
Dass industrielle Wettbewerbsfähigkeit auch von Forschung und verlässlichen Rahmenbedingungen abhängt, zeigte der anschließende fachliche Austausch. Albert Rössler, Geschäftsleiter Forschung und Entwicklung bei der ADLER-Werk Lackfabrik und Sprecher der F&E-Plattform der IV Tirol, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und gab einen Überblick über die F&E-relevanten Aktivitäten der IV Tirol. Claudia Hofmann-Turek, Leiterin der Stabsstelle Forschungsprämie der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), erläuterte aktuelle Entwicklungen und Erfahrungen aus der Begutachtung von Forschungsprojekten. Dabei ging es insbesondere um die Abgrenzung förderfähiger Tätigkeiten und die nachvollziehbare Dokumentation von F&E-Vorhaben. Josef Pesl, Leiter Forschung und Entwicklung bei Montanwerke Brixlegg, beleuchtete die Themen Kreislaufwirtschaft und Energie aus der betrieblichen Praxis. Stephan Laiminger, Chief Technologist bei INNIO Jenbacher, richtete den Blick auf Herausforderungen im US-Rechenzentrumsmarkt und damit auf einen international bedeutenden Anwendungs- und Zukunftsmarkt.
Innovation braucht Austausch
Für die F&E-Plattform lag der besondere Wert des Besuchs im Zusammenspiel dieser Perspektiven: Die Montanwerke Brixlegg zeigen, wie ein traditionsreicher Industriestandort mit technischem Wissen, Kreislaufwirtschaft und einer bewussten Energieversorgung zukunftsfähig gestaltet werden kann. Der Austausch zur Forschungsprämie und zu internationalen Marktentwicklungen machte zugleich deutlich, dass Innovation nicht an den Werkstoren endet. Sie braucht Unternehmen, die neue Lösungen entwickeln, geeignete Rahmenbedingungen und den regelmäßigen Dialog innerhalb der Tiroler Industrie.


