Österreich bleibt auch 2027 konjunkturell zurück, Tirols Industrie dürfte deutlich stärker wachsen. Bei den „Wirtschaftsprognosen 2027“ von RLB Tirol und IV Tirol analysierten Raiffeisen-Research-Chefökonom Gunter Deuber und GAW-Volkswirt Stefan Haigner die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und ihre Folgen.
Der Aufschwung kommt – aber langsam und unter schwierigen Bedingungen. Österreich dürfte 2027 wieder stärker wachsen, bleibt im europäischen Vergleich jedoch ein Nachzügler. Für Tirol fällt der Ausblick differenzierter aus: Während die Gesamtwirtschaft nur moderat zulegt, könnte die Industrie wieder deutlich mehr Dynamik entwickeln. Genau diese Spannbreite stand im Mittelpunkt der „Wirtschaftsprognosen 2027“ in Innsbruck.
Österreich bleibt zurück
Raiffeisen-Research-Chefökonom Gunter Deuber erwartet für Österreich 2027 ein reales BIP-Wachstum von 1,0 Prozent. Damit verbessert sich die Konjunktur gegenüber 2026, im historischen Vergleich bleibt das Wachstum jedoch niedrig und Österreich hinkt der Eurozone weiter hinterher.Deuber verwies auf Belastungen, die weit über die reine Wachstumszahl hinausreichen: Die Inflation bleibt erhöht, die Finanzierungskosten dürften vorerst hoch bleiben und die gesunkene Profitabilität der Unternehmen bremst Investitionen. Besonders problematisch: In Österreich wird fast nur noch in den Erhalt des bestehenden Kapitalstocks investiert. Vor dem Hintergrund des ohnehin niedrigen Wachstumstempos wiegt diese Investitionsschwäche besonders schwer, weil damit auch die Voraussetzungen für höhere Produktivitätszuwächse und eine stärkere Wachstumsdynamik schwach bleiben.
Tirols Industrie legt stärker zu
Stefan Haigner, Ökonom der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung, analysierte im Auftrag der IV Tirol die Aussichten für Tirol und seine Industrie. Für 2027 prognostiziert er ein reales Wachstum der Tiroler Gesamtwirtschaft von 1,0 Prozent. Deutlich stärker könnte sich die Industrie entwickeln: Für die Industrie ohne Bauwirtschaft rechnet Haigner mit einem Plus von 2,1 Prozent und sieht sie damit als Wachstumstreiber. Der Befund ist dennoch keine Entwarnung. Tirols Industrie ist stark exportorientiert und damit besonders von internationalen Märkten abhängig. Gleichzeitig nehmen Protektionismus und Handelshemmnisse weltweit zu – ein Umfeld, in dem Wettbewerbsfähigkeit und Standortbedingungen noch stärker über Investitionen und Marktchancen entscheiden.
Der Aufschwung bleibt fragil
Auch die Geldpolitik wirkt weiter nach. Haigners Modellrechnung zeigt, dass die vergangenen Zinserhöhungen das Tiroler Wirtschaftswachstum 2027 noch um 0,4 Prozentpunkte dämpfen könnten. Das entspricht rund 175 Millionen Euro weniger Wirtschaftsleistung und etwa 1.400 Jobs. Für die Unternehmen ergibt sich damit ein ambivalenter Ausblick: Die Konjunktur dürfte sich erholen und gerade die Industrie wieder stärker wachsen. Finanzierungskosten, ein schwierigeres internationales Umfeld und strukturelle Standortbedingungen bleiben jedoch entscheidende Faktoren dafür, wie viel von diesem möglichen Aufschwung tatsächlich bei den Unternehmen ankommt.


